Ladenhüter "Simpsons"-Briefmarke: "Nein!"
Fehlkalkulation US-Post vernichtet Millionen "Simpsons"-Marken
Washington - Zugegeben: Familienvater Homer blickt auf seiner Briefmarke außerordentlich trottelig drein. Doch genauso lieben die Fans ihren Kultcharakter aus der TV-Serie "Die Simpsons". Es muss also andere Gründe dafür geben, dass die gelben Comic-Figuren nun einmal nicht so erfolgreich waren wie erhofft: Die US-Post ist auf 682 Millionen Briefmarken mit den Gesichtern der Simpsons sitzengeblieben.
Die Sondermarken waren 2009 zum 20. Geburtstag der Serie herausgebracht worden. Wie sich nun herausstellt, mit einer gigantischen Fehlkalkulation: Die Auflage betrug eine Milliarde Briefmarken, verkauft wurden jedoch nur 318 Millionen - das geht aus einem Bericht der Aufsichtsbehörde des staatlichen US Postal Service hervor. Die unverkauften Marken der gelben Zeichentrick-Familie mussten eingestampft werden.
Die Post-Aufseher monieren in ihrem Bericht, durch die Überproduktion der "Simpsons"-Marken seien unnötige Kosten von 1,2 Millionen Dollar entstanden. Die Post habe weder eine Vorhersagemethode noch einen Überprüfungsprozess entwickelt, um die Briefmarken-Nachfrage zu bestimmen. Es seien fast doppelt so viele "Simpsons"-Briefmarken produziert worden wie bei der bis dato erfolgreichsten Sondermarke. Ein Patzer, den Homer Simpson wohl mit seinem charakteristischen Ausruf "Nein!" kommentieren würde (das amerikanische Original "D'oh!" steht seit 2011 im Oxford Wörterbuch).
Die "Simpsons" laufen seit fast 23 Jahren im US-Fernsehen - so lange wie keine andere Sitcom oder Comic-Serie, insgesamt räumten die Macher bisher 27 Emmy Awards ab. Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie Simpson sind ein kulturelles Phänomen.
Sonderbriefmarken in den USA werden in limitierte Auflage produziert und über einen Zeitraum von etwa anderthalb Jahren verkauft. Zwischenzeitlich ist das Porto für einfache Briefe von 44 auf 45 Cent erhöht worden - damit passte der aufgedruckte Wert der "Simpsons"-Marken nicht mehr.
Die US-Post lag dabei nicht nur mit der "Simpsons"-Planung daneben. Von 500 Millionen gedruckten Briefmarken mit Flaggenmotiven wurden nur rund ein Viertel verkauft. Die Höhe der unnötigen Herstellungskosten: mehr als 700.000 Dollar. Insgesamt endete dem Bericht zufolge in den Geschäftsjahren 2009 und 2010 jede dritte Sondermarke letztendlich im Schredder.