US-Soldaten Kriegshelden als Trunkenbolde
Die Frontseite eingedrückt liegt ein Autowrack im Straßengraben. Die fette Bremsspur auf dem Asphalt konnte den Unfall nicht verhindern. Grund: Überhöhte Geschwindigkeit und Alkohol. Der Fahrer: Ein US-Soldat des nahen Luftwaffenstützpunktes in Spangdahlem bei Bitburg in der Eifel.
Unfälle mit amerikanischer Beteiligung sind im Zuständigkeitsbereich der Bitburger Polizei keine Seltenheit: Bei jedem dritten Unfall ist ein Militärangestellter der US-Base Spangdahlem beteiligt - oft mit Promille im Blut. Auch bei Auseinandersetzungen in Kneipen und Diskotheken seien nicht selten Amerikaner mit dabei, heißt es bei der örtlichen Polizei.
US-Soldaten mit hoher Unfallquote
Peinlich für die Amerikaner: Ausgerechnet die auch im Irakkrieg eingesetzten Truppen lassen es an den soldatischen Tugenden wie Disziplin und Verantwortungsbewusstsein mangeln. Ein Fünftel der 5000 auf dem Luftwaffenstützpunkt stationierten Soldaten war beim Kampf gegen Saddam Husseins Regime im Einsatz. Im Tarnkappenbomber des Typs F-117-A flogen sie Raketen- und Bombenangriffe.
Der Militärflughafen in der Nähe von Bitburg ist neben Ramstein einer der größten US-Flughäfen außerhalb der Vereinigten Staaten - und auch eines der größten Material- und Waffenlager in Europa.
Besorgt um den Ruf der Truppe hat die Leitung nun eine Militärstreife eingeführt, die in umliegenden Clubs und Kneipen am Wochenende nach betrunkenen Kollegen Ausschau hält.
Es gehe nicht darum, Soldaten das Trinken zu verbieten, "sondern sie kameradschaftlich zu überzeugen, das Auto stehen zu lassen", sagt Iris Reiff, Pressesprecherin der Airbase. Sie verneint einen Zusammenhang zwischen Irakkrieg und dem Alkoholkonsum der Truppe.
Jedes Wochenende stattet jetzt eine Patrouille von vier bis sechs Angehörigen des Stützpunktes den beliebten Treffs der Amerikaner einen Besuch ab und unterhält sich mit den Wirten über eventuelle Zwischenfälle. Die amerikanischen Gäste zeigen Verständnis für diese abschreckende Methode, die auch Streitigkeiten untereinander oder mit anderen Gästen im Keim ersticken soll.
Überholverbot und abschreckende Auftritte
Die nächtlichen Aufpasser werden ergänzt durch weitere Maßnahmen zur Verringerung der Unfallquote. So verhängte der Commodore der 52. Fliegerstaffel ein Überholverbot für seine Jungs. Ein Fahrdienst soll den Verzicht auf das eigene Auto erleichtern. Wer das Angebot ausschlägt und zweimal wegen Trunkenheit auffällt, muss mit drakonischen Strafen rechnen - etwa mit einer Zurückstufung im Dienstgrad.
Aber nicht nur unter Alkoholeinfluss, sondern auch im klaren Zustand stellen die kurvenreichen Straßen der hügeligen Eifel ein Problem für Amerikaner dar, die aus der Heimat schnurgerade Highways gewohnt sind. Viele der Rekruten sind kaum 20 Jahre alt und ungeübte Autofahrer.
Hinzu kommt: Autos mit amerikanischem Nummernschild brauchen keinen deutschen TÜV. Viele Deutsche verscherbelten daher ihre altersschwachen Karossen an die benachbarten Soldaten. Ein militärinterner Check sorgt aber seit einiger Zeit dafür, dass nur verkehrssichere Fahrzeuge das Eingangstor des Stützpunktes verlassen.
Die Maßnahmen haben Wirkung gezeigt. Die Zahl der Unfälle mit Beteiligung amerikanischer Mitbürger habe in den letzten Jahren abgenommen, sagt Klaus Schnarrbach von der Bitburger Polizeiinspektion, sei aber weiter auffallend hoch.
In der Tat ist das 52. Luftgeschwader mit seinen 14.000 Militärangestellten noch weit entfernt von einer deutlichen Senkung der Unfälle: Zwei- bis dreimal täglich meldet die am Eingangstor angebrachte Crash-Statistik einen neuen Blechschaden.