US-Todeskandidaten: Begnadigung wegen Polizeifolter - DER SPIEGEL
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US-Todeskandidaten Begnadigung wegen Polizeifolter

George Ryan hat drei Tage vor seinem Ausscheiden aus dem Amt als Gouverneur des US-Staates Illinois vier zum Tode verurteilte Gefangene begnadigt. Die Häftlinge hatten erklärt, die Polizei von Chicago habe ihre Geständnisse mit Folter erpresst.
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Chicago - Ryan erklärte in einem vorab verbreiteten Redetext, er begnadige die vier Häftlinge, weil sie fälschlicherweise vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt worden seien. "Ich habe diese Fälle überprüft und ich glaube, dass hier Unrecht geschehen ist und die Verurteilten unschuldig sind", sagte Ryan.

Die Begnadigten sollten noch am Freitag frei gelassen werden. Ryan hat schon im Jahr 2000 für Aufsehen gesorgt, als er ein Moratorium über Exekutionen in Illinois verhängt hatte, nachdem sich herausgestellt hatte, das 13 Angeklagte zu Unrecht verurteilt worden waren. In den vergangenen Monaten prüfte er außerdem Gnadengesuche von mehr als 140 zum Tode verurteilten Häftlinge.

In jüngster Zeit häuften sich in den Vereinigten Staaten die Fälle, in denen mit Hilfe von DNS-Analysen Justizirrtümer aufgedeckt wurden. Insgesamt wurden 90 Todesurteile im Jahr 2002 aufgehoben oder in Haftstrafen umgewandelt. Die 40 inzwischen freigekommenen zum Tode Verurteilten aus den gesamten USA forderten den Gouverneur von Illinois auf, alle Todeskandidaten zu lebenslanger Haft zu begnadigen. Zusätzlich haben offenbar die Hinweise früherer Insassen von Todeszellen einen Einfluss auf Ryan ausgeübt. Sie hatten im Dezember auf einer Veranstaltung in Illinois auf Missstände bei der Verhängung der Todesstrafe hingewiesen.