USA Clinton ist Strohwitwer
Washington/Chappaqua - Am Donnerstagabend begleitete er die First Lady per Flugzeug ins neue Heim in Chappaqua, einem Villenvorort von New York. Von dort aus wird Hillary Clinton nun ihre eigene Karriere verfolgen - den Sprung in den US-Senat.
Die Clintons wurden mit der Verlegung von Hillarys Hauptwohnsitz nach New York, einer Grundvoraussetzung für die Senatskandidatur, nicht nur zum berühmtesten Berufspendler-Ehepaar der Welt. Sie schrieben auch ein bisschen Geschichte. Schließlich hat es schon lange keinen frauenlosen Haushalt im Weißen Haus mehr gegeben. Zum letzten Mal war das unter Präsident Woodrow Wilson der Fall. Er heiratete seine zweite Frau Edith während seiner ersten Amtsperiode im Jahr 1915.
Die Umzugswagen mit Möbeln und Hausrat - zum Teil aus dem Weißen Haus, zum Teil von früheren Wohnplätzen - waren schon am Dienstag vor der schmucken 1,7 Millionen Dollar teuren Villa mit Swimmingpool eingetroffen. Am Donnerstagabend rollten sie davon. Bill Clinton und Hillary machten sich im neuen Domizil ans Auspacken.
Die Schwiegermutter des Präsidenten war dabei. Dorothy Rodham hatte sich entschlossen, ihrer Tochter während der ersten Tage zur Seite zu stehen - wohl auch deshalb, weil Schwiegersohn Bill ursprünglich gar nicht vorgehabt hatte, die erste Nacht in Chappaqua mit seiner Frau zu verbringen.
Nicht etwa wegen ehelicher Turbulenzen, wie Sprecher Joe Lockhart mit Blick auf die Lewinsky-Affäre eilfertig versichert hatte, sondern wegen seiner Verpflichtungen bei den in den USA stattfindenden syrisch-israelischen Friedensgesprächen. Weil diese Verhandlungen gut verliefen, habe sich Clinton dann die Übernachtungspause doch gönnen können. Wie bei jeder normalen Familie sei ein Umzug ein aufregender Moment, sagte Lockhart, und nicht anders ergehe es dem Ersten Paar im Staate.
Normal war aber nur wenig bei der Übersiedlung von Hillary, der Bill nach eigenen Bekundungen möglichst häufig an den Wochenenden in Chappaqua Gesellschaft leisten will.
Ganz verstummt sind die Spekulationen darüber, dass die räumliche Trennung nicht nur mit Hillarys beruflichen Ambitionen zu tun hat, nämlich trotz aller Dementis nicht. So sieht sich Clintons Sprecher immer wieder zur Versicherung bemüßigt, dass es sich um das neue Heim der gesamten Familie handele und Bill nach dem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt Anfang 2001 ebenfalls nach Chappaqua übersiedeln werde.
Tochter Chelsea will sich auch weiterhin auf ihrer Studium an der kalifornischen Stanford-Universität konzentrieren. Es wird zwar allgemein erwartet, dass sie häufiger als bisher an die Ostküste reist, aber in eine Rolle als "Ersatz-First-Lady" will sie nach eigenen Angaben nicht schlüpfen.
Gabriele Chwallek