USA Gouverneur begnadigt 167 Todeskandidaten
Chicago Gouverneur George Ryan begründete die Entscheidung damit, dass das Rechtssystem "willkürlich und unberechenbar und daher unmoralisch" sei: "Ich will mit der Todesmaschinerie nicht mehr herumpfuschen", sagte er. Die bestehenden Urteile wurden aufgehoben und das Strafmaß in lebenslange Haft umgewandelt. Einige der Hinterbliebenen verurteilten seine Entscheidung. "Er hat jedes einzelne Opfer erneut getötet", sagte Cathy Drobney, deren Tochter 1985 ermordet wurde.
Bereits am Freitag hatte Ryan vier zum Tode verurteilte Männer begnadigt, die nach eigenen Angaben bei Verhören durch Misshandlungen zu Geständnissen gezwungen worden waren. Sie wurden von den Verbrechen, für die sie zum Tode verurteilt worden waren, freigesprochen. Drei Männer konnten die Strafanstalt als freie Männer verlassen. Der vierte Mann sitzt noch eine andere Strafe ab.
Ryans Sprecher Dennis Culloton erklärte, der Gouverneur habe nur in wenigen Fällen Zweifel an einer Begnadigung gehabt. Letztlich sei er zu dem Schluss gekommen, dass nur die Begnadigung aller die richtige Entscheidung sei. Im Januar 2000 hatte Ryan einen vorübergehenden Hinrichtungsstopp verkündet, nachdem sich herausgestellt hatte, dass 13 Angeklagte zu Unrecht zum Tode verurteilt worden waren.
In jüngster Zeit häuften sich die Fälle, in denen mit Hilfe von DNS-Analysen Justizirrtümer aufgedeckt wurden. Seit 1973 bis Ende vergangenen Jahres wurden nach Angaben der Organisation Death Penalty Information Center in den USA insgesamt 102 Todesurteile aufgehoben, nachdem sich die Unschuld der Häftlinge erwiesen hatte. 2002 wurden in den USA insgesamt 71 Menschen hingerichtet.