USA: Tickte die Chemie-Bombe bereits? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

USA Tickte die Chemie-Bombe bereits?

Nach den Terrorattacken von New York und Washington wächst die Sorge vor Anschlägen mit chemischen Mitteln. Rund 20 der seit dem 11. September in den USA festgenommenen Personen werden verdächtigt, Attentate mit gefährlichen Chemikalien geplant zu haben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Die betreffenden Personen hätten bei US-Behörden um eine Lizenz für den Transport explosiver, giftiger oder anderer gefährlicher Güter angefragt, meldet die "New York Times". Dies hätten Bundesbehörden bestätigt. Es werde derzeit untersucht, ob diese Ansuchen mit der Absicht erfolgten, terroristisch aktiv zu werden. Beweise dafür, dass es eine unmittelbare Verbindung zu den Selbstmordattentätern von New York und Washington gebe, gibt es bisher nicht.

Das FBI sah sich auf Grund dieser Informationen veranlasst, Beamte in New York und in anderen Städten der USA aufzufordern, verstärkt Lastwagen zu kontrollieren, die fahrende Bomben sein könnten. Lkw, die Tunnels oder Brücken nach Manhattan passierten, werden angeblich bereits überprüft.

Justizminister John Ashcroft wurde von der Zeitung zitiert, die Festgenommenen "könnten Verbindungen" zu den 19 Attentätern haben, die am 11. September vier Verkehrsmaschinen entführten, um damit ihre Anschläge auszuführen. Ein höherer US-Beamter sagte, die Bemühungen der Festgenommenen um die speziellen Transportlizenzen legten nahe, "dass diese Leute darauf aus waren, uns auf vielfältigere Weise anzugreifen".

Ashcroft verglich das hohe Interesse der Behörden an möglichen Plänen der 20 Inhaftierten mit dem Interesse daran, dass Mohammed Atta sich verschiedentlich über den Einsatz von Agrarflugzeugen kundig gemacht hatte, mit denen Chemikalien versprüht werden können. Das FBI hat nach den Anschlägen von New York und Washington mehrere Flugplätze überprüft.

Gefolgsleuten des für die Attacken verantwortlich gemachten Terroristen Osama Bin Laden werden verschiedene Lastwagen-Attacken mit verheerenden Folgen zugeschrieben. Im August 1998 fuhr ein Lastwagen, der normalerweise Gefrierschränke transportierte, an der US-Botschaft in Nairobi vor, voll beladen mit Sprengstoff. Der Wagen explodierte. Das Resultat: 224 Tote. Auch beim Anschlag auf das World Trade Center 1993 war der Sprengstoff mit einem angemieteten Lkw angekarrt worden.

Mehr lesen über