USA: Waco-Inferno soll nachgestellt werden - DER SPIEGEL
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USA Waco-Inferno soll nachgestellt werden

Knapp sieben Jahre, nachdem das FBI im texanischen Waco das Hauptquartier einer Sekte stürmte - wobei dutzende Menschen starben, als die Gebäude in Flammen aufgingen - soll nun endgültig geklärt werden, wer für das Inferno verantwortlich war. In einem Remake.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Panzer werden rollen, Tränengas-Granaten explodieren und Spezialeinheiten aus Maschinengewehren und Pistolen feuern. Darüber sollen Hubschrauber kreisen und Video-Aufnahmen machen. Ganz so, wie es damals an jenem 19. April 1993 in Waco geschehen ist. Auf diese wohl einmalige Aktion - die Mitte März voraussichtlich auf dem texanischen Militärstützpunkt Fort Hood stattfinden wird - einigten sich in der vergangenen Woche Vertreter des amerikanischen Justizministeriums und der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, John Danforth. So berichteten "Washington Post" und "New York Times" übereinstimmend. Die Kommission beschäftigt sich mit der Frage, ob das FBI für den Ausbruch des Feuers in den Gebäuden der Davidianer-Sekte - und damit für die Todesfälle - verantwortlich war.

Mehr als sechs Jahre lang hatte die Bundespolizei behauptet, die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft hätten kollektiven Selbstmord geplant und das Feuer gelegt, in dem 76 Menschen ums Leben gekommen waren. Nach über 51 Tagen Belagerung waren die Ordnungskräfte an jenem Montag mit Panzern vorgerückt. Schüsse seien nicht gefallen, versicherte das FBI. Zeugen hatten das Gegenteil zu Protokoll gegeben.

Als nun im vergangenen Herbst Journalisten auf damals aufgezeichneten Videobändern kleine Lichtblitze entdeckten und daraus den Einsatz von Feuerwaffen ableiteten, änderten die Beamten plötzlich ihre Aussagen. Nun räumten sie ein, dass beim Sturm auf die Holzgebäude feuergefährliche Tränengas-Granaten eingesetzt worden waren. Die oberste Chefin der Behörde, US-Justizministerin Janet Reno, ordnete daraufhin sichtlich fassungslos eine Untersuchung an, schließlich hatte sie vor dem Kongress in Washington die Version des FBI vertreten, an der es jetzt massive Zweifel gibt.

Später gab Reno zu bedenken, dass die mit dem Reizgas CS gefüllten Granaten aus Militärbeständen bereits sechs Stunden, bevor die Gebäude in Flammen aufgingen, abgefeuert worden waren. Experten gehen davon aus, dass leicht entzündliches Gas die Ursache für das Inferno gewesen sein könnte. Schon früh hatte das FBI das Zentrum der Davidianer von sämtlichen Versorgungsleitungen abgeschnitten. Die Bewohner waren so gezwungen, auf Petroleum zurückzugreifen, das sie in ihren Räumen lagerten.

Die Videos, die nun bei dem voraussichtlich 1,5 Millionen Mark teuren Nachspiel gedreht werden, sollen anschließend zum Vergleich mit den Originalbändern herangezogen werden. Die Ermittler erhoffen sich so Aufschluss über die Lichtblitze: Waren es Reflektionen, wie es das FBI behauptet, oder Mündungsfeuer, wie Überlebende des Großbrandes ausgesagt haben? Und wie Experten vermuten.