USA: Waffen-Lobby nutzt Erfurt als Argument - DER SPIEGEL
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USA Waffen-Lobby nutzt Erfurt als Argument

Der einflussreichen Waffen-Lobby NRA ist nahezu jedes Mittel recht, um das Recht auf ein eigenes Schießgerät zum amerikanischen Menschenrecht zu machen. Auch vor dem Amoklauf von Erfurt schrecken die Waffennarren nicht zurück.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Reno - Charlton Heston hat es wieder einmal allen gezeigt. Der 78-jährige Schauspieler hielt ein Gewehr aus dem Jahre 1874 in die Höhe und las dem begeisterten Publikum die Gravur vor: "Aus meinen kalten toten Händen". Immer wieder die gleiche Szene, seit Jahren. Immer wieder der gleiche rauschende Applaus von rund 4.500 Delegierten, die sich als Kämpfer für das Ur-Recht Amerikas sehen. Ein Amerikaner, so ihr gemeinsamer Glaube, muss sein Gewehr nur dann aus der Hand legen, wenn er stirbt.

Am Samstag trafen sie sich wieder in Reno zu ihrer jährlichen Konferenz. Die US-Waffen-Lobby National Rifle Association (NRA) ist mit mehr als vier Millionen eine der einflussreichsten Interessengruppen des Landes. Seit 1998 ist Charleston Heston ihr ehrenamtlicher Präsident und wird es voraussichtlich auch dieses Jahr bleiben.

Die Chefs der NRA sind um markige Worte nicht verlegen. Der hauptamtliche Vizepräsident Wayne LaPierre verwendet ohne Skrupel die größten Blutbäder für seine Argumentation.

So auch Erfurt. Schärfere Gesetze nützen überhaupt nichts, sagte er. Schließlich seien die deutschen Waffengesetze viel strenger als in den USA, und trotzdem sei es zu dem Massaker gekommen. Auch die Katastrophe des 11. September wäre nicht passiert, wenn die Piloten bewaffnet gewesen wären. Waffen für Piloten wäre die "schnellste, billigste und effektivste Art, unseren Luftraum zu schützen".

Das Recht auf Waffen zu beschränken, wie es seit den Massakern in Schulen und an Universitäten von einigen US-Politikern gefordert wird, hält LaPierre für "politischen Terrorismus".