USA Zehn Jahre unschuldig in der Todeszelle
Virginia Beach - Der Hilfsarbeiter wurde gestern aus dem Gefängnis in Virginia entlassen. 1985 hatte seine Hinrichtung unmittelbar bevor gestanden. Das Gericht hatte den Mann wegen Vergewaltigung und Mord an einer damals 19-Jährigen zum Tode verurteilt. Erst 1994 wandelte der Gouverneur des Bundesstaates die Todesstrafe in lebenslängliche Haft um, nachdem DNS-Tests Zweifel an der Täterschaft Washingtons geweckt hatten.
Zum Zeitpunkt der Verurteilung Washingtons existierten noch keine DNS-Tests. Im Oktober vergangenen Jahres erkannte der Gouverneur von Virginia jedoch an, dass die genetischen Fingerabdrücke den Beschuldigten entlasteten: Samenspuren vom Tatort, die noch einmal mit Hilfe modernerer Analysen untersucht wurden, deuteten ganz eindeutig auf einen anderen Täter - einen wegen Vergewaltigung verurteilten Mann, der eine Gefängnisstrafe verbüßt. Danach erteilte der Gouverneur Jim Gilmore dem Häftling Washington im Mordfall Williams absolute Entlastung.
Das Opfer war 1982 in seinem Apartment in der Ortschaft Culpeper vergewaltigt und niedergestochen worden. Bevor die Frau starb, konnte sie noch mitteilen, ein einzelner Schwarzer habe sie attackiert. Ein Jahr später wurde Washington, damals Farm-Hilfsarbeiter, festgenommen. Bei einem Einbruch hatte er seiner Nachbarin eine Schusswaffe entwendet und die Frau dabei mit einem Stuhl auf den Kopf geschlagen. In betrunkenem Zustand schoss er dann seinem Bruder ins Bein.
Bei der Vernehmung gestand Washington alles, auch Dinge, die von ihm so falsch beschrieben waren, dass er sie gar nicht begangen haben konnte. Washingtons Anwälte argumentierten, das Geständnis zu dem Mord sei dem Hilfsarbeiter von Beamten suggeriert worden, indem die Polizisten geschickt belastende Einzelheiten in die Fragen einflochten.
1985 wurde Washingtons Hinrichtung aufgeschoben, aber erst 1993 wurde ein DNS-Test in dem Fall zugelassen. Zwar konnte damit bereits Washingtons Täterschaft im Prinzip ausgeschlossen werden, weil der Test gezeigt hatte, dass die Samenspuren am Tatort nicht von Washington stammten. Es gab jedoch Einwände, die Ermordete könne schließlich noch Sex mit einem anderen Mann gehabt haben, bevor sie starb.