Uups! - et orbi: Vier Heilige und ein Sündenfall - DER SPIEGEL
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Uups! - et orbi Vier Heilige und ein Sündenfall

Es ist eine schöne Nachricht - doch im Vatikan stößt nicht jede frohe Botschaft auf uneingeschränktes Verständnis: Der Priester, der über den urlaubenden Papst wacht, hat versäumt, die Geburt seiner Tochter bekanntzugeben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rom - Es war ein friedlicher Nachmittag, vergangene Woche. Auf dem Dach der Schweizergarden-Kaserne saßen einige Vatikanbewohnerinnen zur Tupperware-Party zusammen, hinterm Fenster gegenüber legte Benedikt XVI. wohl gerade letzte Hand an seinen "Brief an die Katholiken Chinas", und für die Audienzhalle "Paul VI." war gerade beschlossen worden, das Dach komplett mit Sonnenkollektoren zu bedecken, um auf 5000 Quadratmetern "eine Synthese zwischen dem Reichtum der Sonnenenergie und dem Geist der Religion" zu erzeugen, so der ausführende Architekt de Santoli.

In diese andächtige Frühsommerlichkeit hinein flatulierte eine Meldung aus der "Stampa", wonach es im Hochgebirgstal Gran Paradiso zu einem Sündenfall gekommen sei. Don Paolo Curtaz, der ebenso populäre wie theologisch anerkannte Gemeindepriester, sei Vater eines dreijährigen Mädchens. Das ist eine sehr schöne Nachricht, und auch der "Codex Canonicus" verurteilt lediglich die Heirat eines Priesters, nicht dessen Vaterschaft (allerdings soll die katholische Kirche in Deutschland ab dem vierten Priesterkind keine Alimente mehr übernehmen).

Doch Paolo Curtaz ist eben nicht irgendein Geistlicher. Der 42-Jährige betreibt eine inspirierte Internetseite (www.tiraccontolaparola.it) und veröffentlichte vergangenes Jahr ein 112-seitiges Buch mit dem Titel "Convertirsi alla gioia" (Sich zur Freude bekennen). Darin wird unter anderem erklärt, dass Jesus längst wiederauferstanden sei und unerkannt unter uns lebe. Auf dem Titel ist ein fröhlich krähendes Baby abgebildet.

Vor allem aber ist Curtaz die letzten zwölf Sommer lang quasi der Oberoberhirte der katholischen Kirche gewesen, der Pastor pastoris. Denn immer wenn Johannes Paul oder Benedikt ihren Sommerurlaub im Aosta-Tal antraten, wurden sie vom dort diensttuenden Gemeindepriester Don Curtaz mit den Worten begrüßt: "Seien Sie vorsichtig, Eure Heiligkeit, denn während Sie hier sind, bin ich Ihr Hirte." Worauf der Papst beim letzten Mal geantwortet habe: "Ich werde ein gehorsames Gemeindemitglied sein."

Der gute Mensch Curtaz - sein Bruder ist Anwalt und saß für die Grünen im Gemeindrat - hat sich aus eigenem Antrieb vom Dienst befreien lassen und wird ein Jahr lang über seinen Glauben nachdenken: "Für mich steht nicht der Zölibat zur Diskussion, sondern die Frage, wie ich meine innerste Berufung leben kann, ohne meine Verantwortlichkeiten zu verleugnen", erklärte er.

Währenddessen ernannte sein gehorsames Gemeindemitglied am gestrigen Dreifaltigkeitssonntag drei populäre und engagierte Priester und eine Ordensgründerin zu neuen Heiligen: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist...", sagte der Papst über Heilige aus einer Zeit, als Geheimnisse noch Geheimnisse sein konnten.

Apropos aus eigenem Antrieb: Die von "Uups! - et orbi" vergangene Woche prophezeite Erklärung "Motu proprio" des Papstes zur lateinischen Messe ist bislang ausgeblieben. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone kündigte den Text allerdings für die nahe Zukunft an. Unsere Quelle hat offensichtlich um einige Tage geirrt. Auch im Vatikan werden Fehler gemacht. Weshalb sonst stünden überall Beichtstühle herum?

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