Uwe Holmer, 94 – Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Uwe Holmer, 94

• aus DER SPIEGEL 40/2023
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Bernd Wüstneck / picture alliance / dpa

Die Familie wurde von der Stasi observiert, vielen seiner zehn Kinder wurden die Oberschule und damit ein Studium verwehrt. Dennoch räumte der Theologe Uwe Holmer zwei Zimmer in seinem Wohnhaus in Lobetal bei Berlin frei, damit der ehemalige Staats- und Parteichef der DDR dort einziehen konnte. Am 30. Januar 1990 kam Erich Honecker aus der Haftanstalt, er war wohnungslos, die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg bot ihm und seiner Frau Margot Asyl an, ohne sie »der irdischen Gerechtigkeit entziehen« zu wollen.

Zehn Wochen lang wimmelte Holmer wartende Reporter ab, kümmerte sich um medizinische Versorgung und Verpflegung. Holmer erklärte seine Gastfreundschaft mit dem Bibelwort: »Liebet eure Feinde.« Die Aufnahme des einst mächtigsten Mannes der DDR war für Holmer ein »Auftrag Gottes«. Von seinen Mitmenschen wurde er deswegen stark angefeindet. Der Pastor konterte, er halte Hass für »keine gute Ausgangsbasis für einen Neuanfang in unserem Volk«. Im März 2022 widmete ihm das ZDF den Film »Honecker und der Pastor«. Uwe Holmer starb am 25. September in Serrahn bei Rostock.

jat
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