Vatikan-Dokumente Hitler wollte Papst kidnappen
Rom - Den Befehl zur Entführung habe Hitler dem damaligen SS-General Karl Friedrich Otto Wolff in Rom gegeben, berichtet die römische Zeitung "La Repubblica" unter Berufung auf ein Memorandum des SS-Generals im Jahr 1972 gegenüber dem Vatikan.
"Ich habe den Befehl, Pius zu entführen, persönlich von Hitler erhalten", zitiert die Zeitung Wolff. Der Papst sollte demnach dafür bestraft werden, dass die katholische Kirche Tausende Juden in Klöstern versteckte und so vor den Nazis gerettet habe.
Wolff habe sich jedoch geweigert und Pius von der Gefahr gewarnt. Der Heilige Vater hätte zunächst in einem Schloss in Baden-Württemberg festgesetzt werden sollen, heißt es in dem Bericht. Der Plan Hitlers habe aber offenbar auch eine "physische Eliminierung" vorgesehen.
Berichte über derartige Entführungspläne waren bereits im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess aufgetaucht. Die neuen Details sind der Zeitung zufolge im Zuge des Seligsprechungsverfahrens bei Forschungen über Pius' Pontifikat ans Licht gekommen. Die italienische Bischofskonferenz veröffentlichte die Dokumente jetzt, offenbar auch, um das Image des umstrittenen Papstes aufzubessern. Pius, der von 1939 bis 1958 regierte, ist als "Papst des Schweigens" in die Geschichtsbücher eingegangen, weil er die Judenverfolgung der Nazis nicht laut und deutlich verurteilt hat.
Vergangene Woche sind neue Vorwürfe gegen Pius erhoben worden. Der Vatikan will jedoch den bereits eingeleiteten Prozess der Seligsprechung Pius' zu Ende bringen.
Das Kapitel Pius XII. ist eines der dunkelsten der katholischen Kirche. Israel hatte sich mehrfach indigniert über die geplante Seligsprechung geäußert. Historiker meinen, er hätte viele Juden retten können, wenn er offen gegen deren Verfolgung protestiert oder etwa hohe Nazis exkommuniziert hätte. Dagegen führt der Vatikan immer wieder an, die Kirche habe im Stillen Tausende Juden gerettet. Offener Widerstand gegen Hitler hätte noch schlimmere Verbrechen provoziert, so die Rechtfertigung des Vatikans.