Vatikan: Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller wird Kardinal - DER SPIEGEL
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Vatikan Glaubenspräfekt Müller wird Kardinal

Papst Franziskus hat zum ersten Mal in seinem Pontifikat neue Kardinäle benannt. Unter den 19 künftigen Purpurträgern ist auch der deutsche Erzbischof Gerhard Ludwig Müller. Der Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan gilt als Hardliner.
Gerhard Ludwig Müller (2012): Wird im Februar von Papst Franziskus in den Kardinalsstand erhoben
Gerhard Ludwig Müller (2012): Wird im Februar von Papst Franziskus in den Kardinalsstand erhoben

Gerhard Ludwig Müller (2012): Wird im Februar von Papst Franziskus in den Kardinalsstand erhoben

Foto: Armin Weigel/ picture alliance / dpa
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Rom - Gerhard Ludwig Müller wird in den Kardinalsstand erhoben. Der Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan ist unter den 19 Erzbischöfen, die Papst Franziskus bei einem Konsistorium am 22. Februar zu Kardinälen machen will. Die neuen Purpurträger stammten aus zwölf Ländern, teilte der Papst am Ende des Angelusgebetes mit.

Franziskus führt auch eine Tradition seiner Vorgänger fort: 16 der neuen Kardinäle sind mögliche Papstwähler - doch zusätzlich erhebt Franziskus drei weitere verdiente Kirchenmänner in den Kardinalsstand, die bereits über 80 Jahre alt sind. Sie könnten damit bei einer eventuellen Papstwahl nicht mit abstimmen.

Neben Müller ernannte Franziskus auch Erzbischof Pietro Parolin zum Kardinal. Parolin ist seit dem vergangenen Oktober Kardinalsstaatssekretär und damit informell die Nummer zwei in der Kirchenhierarchie, das Amt hatte vor Parolin Kardinal Tarcisio Bertone inne. Auch der Erzbischof von Westminster, Vincent Nichols, wird Kardinal. Insgesamt kommen sechs der neuen bei der Papstwahl wahlberechtigten Kardinäle aus Europa, davon vier aus Italien. Fünf stammen aus Südamerika, darunter einer aus Franziskus' Heimatland Argentinien. Außerdem machte der Papst zwei Afrikaner, zwei Asiaten und einen Nordamerikaner zu Kardinälen.

Gegen eine Lockerung des Zölibats

Der frühere Regensburger Bischof Müller, seit 2012 Präfekt der Glaubenskongregation in Rom, gilt als Hardliner unter den deutschen Bischöfen. Grundlegende Reformen in der katholischen Kirche lehnt der 66-Jährige ab. Er hält sich streng an die offizielle Linie der Amtskirche. So ist Müller strikt gegen Frauen im Priesteramt und auch gegen eine Lockerung des Zölibats. Als Präfekt bekräftigte er unter anderem die Unauflösbarkeit der Ehe.

Die Ernennung war für Müller nur eine Frage der Zeit. Er gilt als enger Vertrauter des emeritierten Papstes Benedikt XVI. - und vor allem in Südamerika steht Müller hoch im Kurs. In einem Armenviertel in Peru wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Der 66-Jährige setzt sich schon lange für die Armutsbekämpfung in Peru ein.

Auch für den beurlaubten Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich Müller mehrfach eineingesetzt. Sollte sich zeigen, dass dem umstrittenen Bischof nichts vorzuwerfen sei, dann habe die Gerechtigkeit und nicht das Kalkül Vorrang, sagte er.

Neunter Kardinal aus Deutschland

Müller geht Konfrontationen nicht aus dem Weg. So sieht er anders als viele seiner Kollegen etwa beim Thema sexueller Missbrauch durch Priester keine generelle Verantwortung der Kirche. "Wir haben keinen umfassenden Missbrauchskomplex, sondern wir haben verteilt über Jahrzehnte Einzelfälle", sagte Müller einmal. Nicht die Kirche, sondern die jeweiligen Täter seien verantwortlich.

Mit Müller gibt es künftig neun deutsche Kardinäle. Dazu zählen der Kölner Joachim Meisner, der Mainzer Karl Lehmann, Reinhard Marx aus dem Erzbistum München und Freising sowie der Berliner Rainer Maria Woelki. Hinzu kommen die römischen Kurienkardinäle Walter Kasper, Paul-Josef Cordes, Walter Brandmüller und P. Karl Becker.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gratulierte dem neuen deutschen Würdenträger. "Deine Erhebung in den Kardinalsstand hat sicherlich ihren ersten Bezugspunkt in deinem hohen Amt als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre", schrieb er. "Sie ist aber auch eine persönliche Auszeichnung, mit der dein Wirken als Theologe gewürdigt wird." Zollitsch erinnerte an Müllers mehr als 400 wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Theologie.

Müller wurde am 31. Dezember 1947 in Mainz-Finthen geboren und 1978 zum Priester geweiht. 1985 habilitierte er sich mit dem Thema "Gemeinschaft und Verehrung der Heiligen. Geschichtlich-systematische Grundlegung der Hagiologie". Jahrelang lehrte er an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Dogmatik und ist dort bis heute Honorarprofessor. Seit 2007 ist er Mitglied der Glaubenskongregation in Rom.

wit/dpa/AFP