Vatikan: Kardinäle treffen zur Papstwahl ein - DER SPIEGEL
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Vatikan Kardinäle treffen zur Papstwahl ein

Zum ersten Mal seit 26 Jahren wird heute im Vatikan wieder ein jahrhundertealtes Ritual vollzogen: 115 Kardinäle treten an, um den neuen Papst zu wählen - hinter verschlossenen Türen und unter strengster Geheimhaltung.
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Rom - Es ist ein Novum in der Geschichte des Konklaves: Bei der heute beginnenden Wahl zum 264. Nachfolger des Apostel Petrus dürfen sich die teilnehmenden Kardinäle innerhalb des Vatikans frei bewegen. Noch bei der letzten Papstwahl 1978 wurden die Fenster zugemauert, die Türen verschlossen und mit Seidenbändern versiegelt. Die Purpurträger mussten drei Tage in der Sixtinischen Kapelle und im Apostolischen Palast ausharren. Heute um 10 Uhr finden sich die Kardinäle zur Messe im Petersdom ein. Um 16.30 Uhr werden sie dann in die Sixtinische Kapelle einziehen.

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Papst-Wahl: So funktioniert das geheime Konklave

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Dabei gelten strikte Geheimhaltungsregeln. Die Räume sind wanzenfrei, dafür haben Techniker gesorgt. In und nahe der Sixtinischen Kapelle wird es auch kein Mobilfunknetz geben. Kardinäle und alle Personen, die einen Zugang zum Konklave erhalten, werden mit einem Eid auf die Bibel zur Verschwiegenheit verpflichtet. Dazu gehören Haushälterinnen, Köche oder technisches Personal. Wer plaudert, dem droht die Exkommunikation. Am Nachmittag wird die große Tür der Sixtinischen Kapelle hinter den Kardinälen verschlossen, so wie es der Name der geheimnisumwobenen Wahl verlangt: "Cum clave" heißt "mit Schlüssel".

Die Abschottung der Purpurträger hinter den dicken Mauern hat allerdings nicht immer für einen würdigen Rahmen der Papstwahl gesorgt. In seinen Memoiren berichtet Pius II. von dem abgekarteten Spiel aus dem Jahr 1458, als er selbst zum Papst gewählt wurde. Die Strippen seien auf dem Plumpsklo gezogen worden, so schreibt er, "dem angemessenen Ort für eine derartige Wahl".

Unter Michelangelos berühmtem Deckengemälde schreiten die Kardinäle viermal täglich zu den Wahlurnen. Bei den eigentlichen Wahlgängen wird nicht viel gesprochen: Kandidatenreden und Gegenreden sind nicht mehr gestattet. Die Kardinäle erhalten einen Stimmzettel mit der Aufschrift "Eligo in Summum Pontificem - Zum Papst wähle ich". Sie tragen den Namen ihres Kandidaten ein, falten das Papier, legen den Stimmzettel auf einen Hostienteller und werfen ihn anschließend in einen Kelch. So soll verhindert werden, dass ein Kandidat mehrere Zettel abgibt.

Die Wahl wird zweimal am Vormittag, zweimal nach der Mittagspause stattfinden. Die Namen auf den Wahlzetteln werden laut vorgelesen, ein Wahlhelfer durchsticht sie mit einer Nadel und reiht sie auf eine Schnur. Die Zettel werden täglich verbrannt. Die Kameras der TV-Sender werden dann live übertragen, ob der Rauch, der aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle quillt, schwarz oder weiß ist.

Steigen dunkle Schwaden auf, dauert das Konklave an. Denn die notwendige Mehrheit von 77 Stimmen wurde nicht gefunden. Das kann nach unterschiedlichen Interpretationen der von Johannes Paul II. vorgegebenen Regeln 30- bis 34-mal geschehen und etwa zwei Wochen dauern. Danach können die Kardinäle beschließen, dass die absolute Mehrheit genügt. Ist dann der Rauch hell - wenn die Wahlscheine ohne den Farbzusatz verbrannt wurden - bedeutet dies: Die 115 Kirchenmänner haben einen neuen Papst gewählt. Der Kardinalsdekan fragt den Gewählten, ob er das Amt annimmt und welchen Namen er sich geben möchte.

Während der Päpstliche Zeremonienmeister eine Urkunde des Vorgangs anfertigt, legt der neue Papst in einem Nebenraum das traditionelle weiße Gewand an, das vorsichtshalber in drei verschiedenen Größen angefertigt wurde. Dann tritt er auf den Balkon der Petersbasilika hinaus, während ein Kardinal den draußen auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen zuruft: "Habemus papam!" Die katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt.

Beobachter gehen davon aus, dass die Wahl des Papstes zügig erfolgen wird. Dafür sprechen zwei Gründe: Eine längere Wahl könnte den Anschein erwecken, die Kirchenoberen seien zerstritten. Zudem dürften durch die lange Krankheit Johannes Paul II. bereits im Vorfeld des Konklaves ausgiebig Gespräche darüber stattgefunden haben, wohin der nächste Papst die Kirche führen soll.

Bei der Wahl Johannes Paul II. im Jahr 1978 dauert das Konklave lediglich drei Tage. Schon nach dem achten Wahlgang hatten sich die Kirchenmänner auf Karol Wojtyla geeinigt. Angeblich stimmten 97 der damals 111 anwesenden Kardinäle für den Mann aus Polen. Wojtyla war überraschend als Sieger hervorgegangen, weil sich die beiden populärsten italienischen Kandidaten gegenseitig blockierten. Dies könnte sich nun wiederholen: Die frühere Macht der italienischen Kardinäle ist gebrochen, nur noch 20 der Wahlberechtigten stammen aus Italien. Zudem sind sie untereinander zerstritten. Unter den Favoriten sind Italiener, Südamerikaner und ein Kardinal aus Afrika. Allerdings: Bei den bisherigen Wahlen zum Oberhirten von mehr als einer Milliarde Katholiken war es meist so, dass die in der Öffentlichkeit am höchsten gehandelten Kandidaten bei der Wahl in der Sixtinischen Kapelle kaum Chancen hatten.