Vatikan: Maulkorb bis zur Papstwahl - DER SPIEGEL
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Vatikan Maulkorb bis zur Papstwahl

Am 18. April werden 115 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle ins Konklave gehen, um einen neuen Papst zu wählen. Schon jetzt wollen sie keine Interviews mehr geben. Der deutsche Kardinal Ratzinger hatte sich für das Redeverbot stark gemacht.
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Rom - Vatikan-Sprecher Joaquim Navarro-Valls sagte in Rom, nunmehr beginne die intensive Vorbereitung auf das Konklave. Das Kardinalskollegium bitte die Medien einmütig, auf Anfragen zu verzichten. Die zahlreichen öffentlichen Äußerungen von katholischen Würdenträgern nach dem Tod des Papstes hatten Kritik hervorgerufen. Das italienische Fernsehen berichtete, dass sich der Vorsitzende des Kardinalskollegiums, Joseph Ratzinger, für das Interviewverbot stark gemacht habe. Der Deutsche gilt als einer der möglichen Nachfolger von Johannes Paul II.

Navarro-Valls teilte weiter mit, dass am 18. April 115 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle ins Konklave gehen werden. Zwei der insgesamt 117 wahlberechtigten Geistlichen, Jaime Sin von den Philippinen und Alfonso Antonio Suarez Rivera aus Mexiko, könnten wegen Krankheit nicht an der Papstwahl teilnehmen.

Nach der größten Pilgerfahrt der Kirchengeschichte und der Beisetzung des Papstes begann sich die Situation in Rom weiter zu entspannen. Tausende Gläubige machten sich auf den Heimweg, die strengen Sicherheitsvorkehrungen wegen der Präsenz hunderter Staatsgäste aus aller Welt wurden gelockert. Auf der Piazza del Popolo im Stadtzentrum bauten Arbeiter die Großleinwand ab, auf der die Trauerfeier am Freitag übertragen worden war.

Bürgermeister Walter Veltroni sagte, in den letzten Tagen seien so viele Gläubige von außerhalb in der Stadt gewesen wie Einwohner, nämlich 2,6 Millionen. "Es hat noch nie ein Ereignis gegeben mit so viele Menschen aus so vielen Teilen der Welt", sagte Veltroni auf einer Pressekonferenz. Er kündigte an, der Hauptbahnhof von Rom werde künftig den Namen Johannes Pauls tragen. Auch der Platz an der Universität Tor Vergata solle nach dem verstorbenen Papst benannt werden.

Veltroni gab die Zahl der Pilger, die binnen vier Tagen am aufgebahrten Leichnam des Papstes vorbeigezogen sind, mit 1,3 Millionen an. Innenminister Giuseppe Pisanu schätzte die Massen auf 1,4 Millionen. Nach Angaben Pisanus passierten pro Stunde 21.000 Menschen die Pforten der Petersbasilika. Zeitweise hatte die Warteschlange eine Länge von drei Kilometern. Manche Pilger mussten bis zu 24 Stunden ausharren.

Die Stadt Rom stellte den Wartenden drei Millionen Flaschen Wasser zur Verfügung, wie der Bürgermeister mitteilte. Im Vatikanstaat sei nicht ein einziger Fall von Taschendiebstahl oder Diebstahl gemeldet worden.

US-Präsident George W. Bush würdigte Johannes Paul erneut als Vorkämpfer gegen Totalitarismus. Im Westen hätten viele den Einfluss des Papstes unterschätzt. Doch hinter dem Eisernen Vorhang habe man es besser gewusst und "schließlich konnte sogar die Berliner Mauer der orkangleichen Kraft dieses polnischen Papstes nicht widerstehen", sagte Bush in seiner wöchentlichen Radioansprache.

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