Vatikan Papst erlitt Kollaps
Rom - Nach Angaben des Vatikan von heute Morgen ist der Zustand des schwer kranken Papstes "sehr, sehr ernst". Johannes Paul II. habe einen Kreislaufzusammenbruch und einen septischen Schock erlitten, hieß es. "Der Papst liegt klar im Sterben", sagte der polnische Kardinal Andrzej Maria Deskur, ein Vertrauter des Papstes, der italienischen Nachrichtenagentur AGI.
Kardinal Camillo Ruini, Generalvikar der Diözese Rom und Präsident der italienischen Bischofskonferenz, ist inzwischen in der Wohnung des Papstes im Vatikan eingetroffen. Dem Kirchenrecht zufolge muss der Generalvikar beim Eintreten des Todes die Bevölkerung informieren. Das berichtet "Radio Vatikan".
Der Papst werde beatmet, sei aber "bei Bewusstsein, klarem Verstand und ruhig", sagte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls. Mit seinen engsten Vertrauten habe der Pontifex am Morgen um 6 Uhr einen Gottesdienst abgehalten. Der Papst sei auf eigenen Wunsch nicht erneut in die römische Gemelli-Klinik gebracht worden. Für den späten Vormittag kündigte ein Sprecher ein neues ärztliches Bulletin zum Gesundheitszustand des Papstes an.
Auf dem Petersplatz haben sich Hunderte besorgte Menschen versammelt. Zahlreiche Gläubige feierten im Petersdom eine Messe und beteten für den Papst. Die Polizei hat alle Zufahrtsstraßen zum Vatikan abgesperrt.
Angesichts der dramatischen Verschlechterung der Gesundheit des Papstes haben sich die italienischen Parteien entschlossen, ihren Wahlkampf vorzeitig zu beenden, berichtete das staatliche Fernsehen. Am Sonntag und Montag finden in Italien wichtige Regionalwahlen statt.
Gestern Abend hatte Navarro-Valls mitgeteilt, Papst Johannes Paul II. leide an sehr hohem Fieber, das durch einen Harnweginfekt ausgelöst worden sei. "Das Fieber kann tödlich sein", zitierten italienische Medien einen Arzt.
Der Papst erhalte eine "angemessene Antibiotikatherapie", teilte der Vatikan am Donnerstagabend mit. Allerdings könne die Dosis nicht mehr weiter erhöht werden, weil es sonst Herz-Kreislauf-Probleme geben könnte, verlautete aus Vatikankreisen. Zuvor hatte die italienische Nachrichtenagentur Apcom gemeldet, der Gesundheitszustand des Papstes habe sich plötzlich verschlechtert. Wegen eines "besorgniserregenden Absinkens des Blutdrucks" hätten Ärzte eingreifen müssen, hieß es.
Ein italienischer Fernsehsender hatte gemeldet, Johannes Paul II. habe die Letzte Ölung erhalten. Dies wurde am Morgen vom Vatikan bestätigt.
Zuletzt hatte der Papst die Krankensalbung am 13. Mai 1981 erhalten, nachdem er durch den Schuss eines Attentäters auf dem Petersplatz in Rom schwer verletzt worden war. Die Krankensalbung, früher auch als Sterbesakrament bezeichnet, wurde während des Zweiten Vatikanischen Konzils umbenannt und erhielt eine breitere Bedeutung: Sie soll nun zur Stärkung und Ermutigung dienen.
Auf dem Petersplatz versammelten sich in der Nacht Hunderte Gläubige zum Gebet, Fernsehsender richteten ihre Kameras auf die Fenster der Papstgemächer. Im Apostolischen Palast waren die Gemächer des Papstes in der Nacht dunkel. Nur in der Küche und in jenem Raum, wo die Ärzte vor zwei Tagen eine Krankenstation eingerichtet haben, war Licht zu sehen. Im Vatikan war keinerlei Aktivität festzustellen.
16 Kilogramm an Gewicht verloren
In Polen haben die Nachrichten über die rapide Verschlechterung der Gesundheit von Papst Johannes Paul II. große Sorge ausgelöst. Der Nachrichtensender TNN 24 berichtete in der Nacht zum Freitag in Sondersendungen mit laufender Schaltung zum Vatikan. Der polnische Dominikanerpater Konrad Hejmo, der im Vatikan die polnischen Pilger betreut, gab an, der Papst habe seit der Entlassung aus der Gemelli-Klinik 16 Kilogramm an Gewicht verloren - ein weiteres Indiz für die Verschlechterung der Gesundheit des Kirchenoberhauptes. Die Stimmung im Vatikan sei sehr angespannt.
Vatikan: Papst zeigt sich den Gläubigen - Stimme versagt
Am Mittwoch hatte der Vatikan bekannt gegeben, dass der Papst über eine Sonde künstlich ernährt wird. Kurz zuvor hatte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche an seinem Fenster über dem Petersplatz gezeigt. Wie schon am Ostersonntag misslang ihm dabei der Versuch, einen Segen zu sprechen. Johannes Paul II. wurde am 13. März aus der Gemelli-Klinik entlassen, wo ihm Ende Februar bei einer Luftröhrenoperation eine Atemkanüle eingesetzt worden war.