Vatikan: Papst soll Letzte Ölung erhalten haben - DER SPIEGEL
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Vatikan Papst soll Letzte Ölung erhalten haben

Der Gesundheitszustand von Johannes Paul II. hat sich in der Nacht zum Freitag dramatisch verschlechtert. Der Papst habe infolge eines Harnweginfekts hohes Fieber und extrem niedrigen Blutdruck, teilte der Vatikan am Abend mit. Ein italienischer Fernsehsender berichtete, das 84-jährige Kirchenoberhaupt habe bereits die Letzte Ölung erhalten.
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Rom - Papst Johannes Paul II. leidet nach Angaben von Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls an sehr hohem Fieber, das durch einen Harnweginfekt ausgelöst worden sei. "Das Fieber kann tödlich sein", zitierten italienische Medien einen Arzt.

Der Papst erhalte eine "angemessene Antibiotikatherapie", teilte der Vatikan am Donnerstagabend mit. Allerdings könne die Dosis nicht mehr weiter erhöht werden, weil es sonst Herz-Kreislauf-Probleme geben könnte, verlautete aus Vatikankreisen. Zuvor hatte die italienische Nachrichtenagentur Apcom gemeldet, der Gesundheitszustand des Papstes habe sich plötzlich verschlechtert. Wegen eines "besorgniserregenden Absinkens des Blutdrucks" hätten Ärzte eingreifen müssen, hieß es.

Nach Meldungen eines italienischen Fernsehsenders hat Johannes Paul II. die Letzte Ölung erhalten. In Kreisen des Kirchenstaates hieß es, angesichts des ernsten Gesundheitszustandes des Papstes sei es wahrscheinlich, dass der 84-Jährige das Sakrament erhalten habe. Auch der US-Nachrichtensender CNN berichtete am frühen Morgen, Kreise im Vatikan hätten bestätigt, dass der Papst die Krankensalbung erhalten habe.

Zuletzt hatte der Papst die Krankensalbung am 13. Mai 1981 erhalten, nachdem er durch den Schuss eines Attentäters auf dem Petersplatz in Rom schwer verletzt worden war. Die Krankensalbung, früher auch als Sterbesakrament bezeichnet, wurde während des Zweiten Vatikanischen Konzils umbenannt und erhielt eine breitere Bedeutung: Sie soll nun zur Stärkung und Ermutigung dienen.

Auf dem Petersplatz versammelten sich in der Nacht Hunderte Gläubige zum Gebet, Fernsehsender richteten ihre Kameras auf die Fenster der Papstgemächer. Im Apostolischen Palast waren die Gemächer des Papstes in der Nacht dunkel. Nur in der Küche und in jenem Raum, wo die Ärzte vor zwei Tagen eine Krankenstation eingerichtet haben, war Licht zu sehen. Im Vatikan war keinerlei Aktivität festzustellen.

Das staatliche Fernsehen meldete kurz vor Mitternacht, die Therapie mit Antibiotika schlage an, der Zustand des Kirchenführers sei aber weiterhin sehr kritisch. Die behandelnden Ärzte hätten bestätigt, dass zunächst kein weiterer Klinikaufenthalt ins Auge gefasst sei.

16 Kilogramm an Gewicht verloren

In Polen haben die Nachrichten über die rapide Verschlechterung der Gesundheit von Papst Johannes Paul II. große Sorge ausgelöst. Der Nachrichtensender TNN 24 berichtete in der Nacht zum Freitag in Sondersendungen mit laufender Schaltung zum Vatikan. Der polnische Dominikanerpater Konrad Hejmo, der im Vatikan die polnischen Pilger betreut, gab an, der Papst habe seit der Entlassung aus der Gemelli-Klinik 16 Kilogramm an Gewicht verloren - ein weiteres Indiz für die Verschlechterung der Gesundheit des Kirchenoberhauptes. Die Stimmung im Vatikan sei sehr angespannt.

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Am Mittwoch hatte der Vatikan bekannt gegeben, dass der Papst über eine Sonde künstlich ernährt wird. Kurz zuvor hatte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche an seinem Fenster über dem Petersplatz gezeigt. Wie schon am Ostersonntag misslang ihm dabei der Versuch, einen Segen zu sprechen. Johannes Paul II. wurde am 13. März aus der Gemelli-Klinik entlassen, wo ihm Ende Februar bei einer Luftröhrenoperation eine Atemkanüle eingesetzt worden war.

Ein führender Vatikan-Experte schrieb am Donnerstag in der Zeitung "Corriere della Sera", nach seiner Ansicht werde Johannes Paul II. trotz seines schlechten Gesundheitszustandes nicht zurücktreten. Der Papst habe es stets abgelehnt abzudanken, schrieb Vittorio Messori. "Ich hielt es für möglich, dass die sichtbare Verschlimmerung seiner Gesundheit den Papst zu einem Gesinnungswandel bringt. Aber Johannes Paul wird nicht zurücktreten", hieß es in dem Artikel.

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