Vatikan Papst zimmert sich neue Regierung
Rom - Es gehe vor allem um eine Neubesetzung des Amtes des Kardinalstaatssekretärs, der "Nummer zwei" im Vatikan, berichten italienische Blätter. Der bisherige Amtsinhaber Angelo Sodano wird im November 78 Jahre alt. Die Turiner Zeitung "La Stampa" rief bereits die "Herbstrevolution" aus, die von einem neuen "Team Joseph Ratzinger" getragen werde.
Benedikt hatte kurz nach seiner Wahl die gesamte Führungsriege der Kurie ohne Veränderungen übernommen. Als mögliche Nachfolger von Sodano, der selbst als Anwärter auf das Papstamt galt, werden unter anderem Kurienkardinal Crescenzo Sepe sowie der "Außenminister" des Vatikans, Erzbischof Giovanni Lajolo, genannt.
Auch eine Ablösung von Kardinal Castrillon Hoyos in der Führung der Kongregation für Klerus sei im Gespräch. Nach Kirchenrecht sind Bischöfe gehalten, zu ihrem 75. Geburtstag ihren Rücktritt anzubieten; der Papst kann diesen Wunsch erfüllen oder ablehnen. Ratzinger, selbst 78 Jahre alt, wurde im April zum Papst gewählt.
Dialog mit Lefebvre-Anhängern
In einer Abwendung von der Politik seines Vorgängers hat Benedikt XVI. den Dialog mit der exkommunizierten Pius-Bruderschaft, Anhänger des "Rebellen-Bischofs" Marcel Lefebvre (1905-1991), wieder aufgenommen. Der Papst habe den Generaloberen der konservativen Bruderschaft "St. Pius X.", Bernard Fellay, in seiner Sommerresidenz Castelgandolfo empfangen, teilte der Vatikan mit. Fellay habe zuvor darum gebeten. Die Gesprächspartner hätten vereinbart, "nach und nach", in "vernünftigen Zeiträumen" und "eingedenk der Schwierigkeiten" auf dem Weg zu einer Wiedereingliederung der Bruderschaft voranschreiten zu wollen.
Die Priesterbruderschaft "St. Pius X." war 1988 von Johannes Paul II. exkommuniziert worden, nachdem sie eigenmächtig Priesterweihen vorgenommen hatte. Die Organisation, die ihre Zentrale im schweizerischen Econe hat, lehnt die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, das mit zahlreichen Riten und Traditionen der katholischen Kirche gebrochen hatte.
Das Konzil war nach Meinung der Lefebvre-Anhänger ein "Verrat am katholischen Glauben". Sie beharren vor allem darauf, die Messe weiterhin nach traditionellem Ritus und auf Latein zu feiern. Außerdem sind sie gegen die Ökumene und gegen jeden Dialog und jede Zusammenarbeit mit anderen Religionen. Die Bruderschaft zählt nach eigenen Angaben weltweit rund 200.000 Anhänger.