Vatikan Papstvideo beunruhigt Gläubige
Rom - Papst Johannes Paul II. bereitet sich heute auf den Beginn der Osterfeierlichkeiten im Vatikan vor. Der erkrankte 84-Jährige zeigte sich nicht der Öffentlichkeit, wollte aber morgen auf dem Petersplatz den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" erteilen. An der Messe heute Abend im Petersdom wollte er dagegen nicht teilnehmen, und auch bei der Prozession zum Kolosseum in Rom fehlte er am Karfreitagabend zum ersten Mal seit 26 Jahren.
Der Papst hat inzwischen seit fast zwei Wochen nicht mehr öffentlich gesprochen. Beobachter vermuteten, der Vatikan wolle die Öffentlichkeit auf eine neue Phase im Pontifikat von Johannes Paul vorbereiten. "Der Vatikan experimentiert mit der Möglichkeit, die Kirche durch Gesten und Bilder zu regieren", erklärte der langjährige Vatikan-Experte der Zeitung "Corriere della Sera", Luigi Accattoli. "Das entscheidende Element in dieser neuen Phase ist das Fernsehen, das den genesenden Papst zeigt und seine schweigende Person zu einer 'sprechenden' macht."
Bei der Prozession am Karfreitag war das Oberhaupt der katholischen Kirche über eine Videoschaltung zu sehen, doch zeigte ihn die Kamera in seiner Kapelle im Vatikan lediglich von hinten. Bei den Gläubigen löste dies neue Befürchtungen aus. Um den Gesundheitszustand des Pontifex müsse es sehr schlecht bestellt sein, wenn der Vatikan sein Gesicht nicht zeigen wolle.
Kardinalvikar Camillo Ruini verlas eine Botschaft des 84-Jährigen in der Johannes Paul nach seiner Luftröhrenoperation auch von den eigenen Leiden sprach. "Ich biete mein Leiden an, damit der Plan Gottes vollendet wird und sein Wort unter den Menschen wandelt", sagte der Papst in dem Grußwort. "Ich bin all denen nahe, die in diesem Augenblick von Leid geprüft werden."
Die in der antiken Arena am Abend versammelten Gläubigen jubelten und schwenkten Fackeln, als Johannes Paul auf der Videoleinwand erschien. In der von Ruini verlesenen Botschaft hieß es, Johannes Paul sei im Geiste unter all jenen im Kolosseum, die sich versammelt hätten, um der letzten Stunden Christi zu gedenken.
Johannes Paul ist im Anschluss an eine Luftröhrenoperation erst am 13. März aus der Klinik in den Vatikan zurückgekehrt. Seitdem hat er nicht mehr in der Öffentlichkeit gesprochen.
Die Osterfeier wird im Auftrag des Papstes vom deutschen Kardinal Joseph Ratzinger, dem Präfekt der Glaubenskongregation, geleitet. Mit der Verteilung der Aufgaben will der Vatikan offensichtlich dem Eindruck entgegen, schon einen Nachfolger für Johannes Paul II. installieren zu wollen. Im Verlauf der mehrstündigen Messe wird die Osterkerze angezündet, die die Auferstehung Jesu von den Toten symbolisieren soll. Es ist das erste Mal, dass der Papst der Osterwache nicht selbst vorsitzt.
Die Karwoche habe angesichts des Leiden des Papstes in diesem Jahr eine besondere Bedeutung, sagte der amerikanische Erzbischof John Foley. `Es ist offensichtlich, dass der Papst ein schweres Kreuz trägt, und er gibt ein Beispiel von der Geduld im Angesicht des Leidens." Der Pariser Erzbischof Andre Vingt-Trois sagte, der Papst nehme zwar jetzt eine weniger sichtbare Rolle ein, doch sei die Kirche in ihren Funktionen in keiner Weise beeinträchtigt.