Vatikan Wer ist der geheimnisvolle Kardinal?
Rom - Johannes Paul II. hatte am 28. September 2003 die Ernennung von 31 neuen Kardinälen bekannt gegeben. 30 davon benannte er mit Namen. Die Identität des 31. aber blieb geheim. Von dieser Möglichkeit der Ernennung "in pectore" - also im verschlossenen Herzen - hatte Johannes Paul II. zuvor schon drei Mal Gebrauch gemacht. Die Namen dieser Kardinäle hat der Papst aber später noch selbst genannt - es handelte sich um Marian Jaworski aus der Ukraine, Janis Pujats aus Lettland und Kung Pin Mei aus China.
Bei dem jüngsten geheim gehaltenen Kardinal könnte es sich ebenfalls um einen in China lebenden Prälaten handeln. In China agiert die dem Vatikan folgende Kirche im Untergrund, die katholische Staatskirche erkennt den Vatikan nicht an. Zum Schutz des Geistlichen könnte der Papst deshalb auf die Namensnennung verzichtet haben. Nach anderen Vermutungen könnte es aber auch der polnische Erzbischof Stanislaw Dziwisz sein, der langjährige Privatsekretär Johannes Pauls II., der am vergangenen Samstag auch am Sterbebett des Papstes stand. Da Dziwisz erst 65 Jahre alt ist, wäre er als 118. Kardinal im Konklave wahlberechtigt.
Voraussetzung dafür ist aber, dass der Papst den geheimnisvollen Kardinal in einem authentischen schriftlichen Dokument benannt hat - womöglich findet sich des Rätsels Lösung im noch nicht geöffneten Testament des Verstorbenen, wurde spekuliert. Dann wäre der Ernannte nach dem Kirchenrecht mit sofortiger Wirkung ins Kardinalskollegium aufgenommen, sagte der Kirchenrechtler James Conn von der Päpstlichen Gregorianischen Universität in Rom.
Allerdings sagte Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls heute: Der Papst habe in seinem Testament nicht enthüllt, wer der Purpurträger ist, den er im Jahr 2003 "im Geheimen" ernannt hatte.