Verbotsdebatte: Kampfhund-Besitzer wehren sich - DER SPIEGEL
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Verbotsdebatte Kampfhund-Besitzer wehren sich

Besitzer und Züchter von Kampfhunden machen verstärkt gegen Maßnahmen und Pläne zur Abschaffung ihrer Tiere mobil. Nach der tödlichen Kampfhunde-Attacke in Hamburg vor acht Tagen kam es am Wochenende zu neuen, allerdings weniger schweren Angriffen von Hunden gegen Menschen.
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Hamburg - "Falls es tatsächlich so weit kommt sollte, dass Hunde ihren Besitzern weggenommen werden, werden wir unseren Mitgliedern raten, auf eine Entschädigung von mindestens 10.000 Mark zu klagen", sagte Horst von Kralik, Bundesvorsitzender im Deutschen Club für Bullterrier, der "Bild am Sonntag".

Friedrich Wieprecht, Pressereferent des Verbandes für das Deutsche Hundewesen, sagte zu den Medien-Berichten nach dem tödlichen Vorfall in Hamburg, bei dem ein sechsjähriger Junge starb: "Da wurde vieles vermischt und verwechselt." Nun gelte es, alle Hunde und ihre Besitzer aus dem schlechten Licht wieder herauszuholen.

In Berlin biss ein Staffordshire Bullterrier am Samstag während einer Rangelei einem 21-jährigen Mann Teile der Nase ab. Das Opfer war Besitzer des Hundes. Im brandenburgischen Kreis Oberhavel wurde ein 31-jähriger Mann bei einem Streit mit dem Hundehalter durch den Biss eines Kampfhundes am Oberschenkel verletzt.

In der Nähe des niedersächsischen Cuxhaven erschoss ein Polizist einen aggressiven Hund, der zuvor einen Spaziergänger angefallen haben soll. Der Angegriffene habe sich gerade noch in sein Auto flüchten können, hieß es. Im süddeutschen Plochingen erschoss die Polizei einen Pittbull, der seiner Besitzerin nach ihren Angaben entlaufen war.

Zugleich ging die Debatte um verschärfte Gesetze gegen gefährliche Hunde weiter. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) forderte ein europaweites Import-, Handels- und Zuchtverbot für Kampfhunde. Mit europaweit einheitlichen Standards könne die EU beweisen, dass sie die Sorgen der Menschen ernst nimmt. Auch NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD), Vorsitzender der Innenministerkonferenz des Bundes und der Länder, nannte eine Regelung auf EU-Ebene erstrebenswert. Behrens sprach sich ebenfalls dafür aus, in allen Ländern Zucht, Haltung und den Handel mit Kampfhunden zu verbieten.

Einer Klage der Kampfhundbesitzer sieht er nach eigenen Angaben gelassen entgegen: "Auch Tötungsgebote für einzelne gefährliche Hunde sowie für gefährliche Hunderassen sind rechtlich zulässig. Eine Klage halte ich nicht für aussichtsreich", sagte er.

Bundespräsident Johannes Rau sagte in der "Welt am Sonntag", für die meisten, die einen Hund hätten, sei er "treuer Weggefährte und oft Spielkamerad der Kinder". In den zurückliegenden Wochen seien Hunde aber als tödliche Waffe eingesetzt worden. "Das muss der Staat verhindern. Schnell und mit allen Mitteln, die er hat. Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass der Staat Leib und Leben schützt." In Berlin will der Senat an diesem Dienstag eine Sofortverordnung zum Schutz der Berliner Bevölkerung vor gefährlichen Hunden einbringen.

Der Verband für das Deutsche Hundewesen riet allen Hundebesitzern in Deutschland, in diesen Tagen ihre Vierbeiner möglichst an der Leine zu halten. Durch die tödlichen Vorfälle mit Kampfhunden sei in Deutschland eine "absolute Hysterie" ausgebrochen, die sich zunehmend in eine wachsende Hundefeindlichkeit steigere, sagte Hauptgeschäftsführer Bernhard Meyer der "Kreiszeitung Syke".

Der TV-Schauspieler Gert Haucke warf in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung den Behörden "jahrelange Borniertheit" vor: Sie hätten sich zu sehr auf die Hunde konzentriert, statt gegen die Halter vorzugehen: "Die Bestie", meinte Haucke, sei "immer am oberen Ende der Leine". Haucke ist Mitglied im Arbeitskreis für humanen Tierschutz und gegen Tierversuche.

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