Verbrechen: Immer weniger Sexualmorde an Kindern - DER SPIEGEL
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Verbrechen Immer weniger Sexualmorde an Kindern

Peggy, Pascal, Tom und Sonja - sie alle wurden Opfer von Sexualverbrechern. Immer öfter, so scheint es, werden Kinder ermordet und missbraucht. Doch dieser Eindruck ist falsch: Die Zahl der Sexualmorde an Kindern ist in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen.
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Hannover - Während Anfang der siebziger Jahre noch 16 bis 18 solcher Taten pro Jahr verübt wurden, waren es nach Angaben von Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts in Hannover, in den letzten fünf Jahren nur noch jeweils rund vier. Auch die Zahl der Sexualmorde insgesamt, also auch an Erwachsenen, ist deutlich gesunken: von 32 auf 20 jährlich in den vergangenen zehn Jahren, sagte der Kriminologe heute der Nachrichtenagentur AP. Ebenso sieht es bei der Gesamtzahl der vollendeten Morde aus mit zuletzt deutlich unter 400 pro Jahr nach 660 vor zehn Jahren.

Als mögliche Ursachen für diesen drastischen Rückgang sieht Pfeiffer Veränderungen in den Bereichen Erziehung und polizeilicher Aufklärungsarbeit und damit Abschreckung. Untersuchungen haben nach seinen Angaben gezeigt, dass brutale Sexualtäter meist "nicht so geboren, sondern so gemacht" worden seien. Sie hätten in aller Regel "eine Horrorgeschichte von innerfamiliärer Gewalt mit eigenen schlimmsten Opfer-Erfahrungen" hinter sich. Mit dem Rückgang der allgemeinen Misshandlung von Kindern in den Familien, also einer grundlegend anderen Erziehung, werde "weniger Mördernachwuchs" produziert.

Zum zweiten hat sich aber auch das Risiko des Erwischtwerdens durch DNS-Analysen drastisch erhöht, wie Pfeiffer erklärte. Solche neuen Ermittlungsmethoden führten zu wachsenden Erfolgen der Polizei, was wiederum eine abschreckende Wirkung habe, soweit es sich um geplante Taten wie Mord handele.

Im krassen Gegensatz zum Rückgang bei den tatsächlichen Fallzahlen steht die öffentliche Wahrnehmung. Bei repräsentativen Befragungen behaupteten die Teilnehmer, die Zahl der Sexualmorde sei von früher 32 auf heute 209 gestiegen, sagte Pfeiffer.

Erklärbar ist diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und tatsächlicher Entwicklung nach Einschätzung des Kriminologen nur durch die weit intensivere Berichterstattung über solche Fälle. Während anfangs bei der Suche nach den Tätern oder auch des Opfers die Ermittler sich über jeden Hinweis freuten und die Polizei insofern die Medien brauche, gebe es nach dem Fassen des Täters häufig eine sehr breite, wenig sachdienliche Berichterstattung, die die Fälle zu Unterhaltungsware machten, kritisierte Pfeiffer.

Angelika Bruder, AP