Verdi: Deutschlands erste Gewerkschaftshure - DER SPIEGEL
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Verdi Deutschlands erste Gewerkschaftshure

Ihren Arbeitstag beginnt Anna meist leicht bekleidet. Bis zu sechs Freier bedient das Freudenmädchen aus Bochum an einem Tag. Nun wurde sie Mitglied der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi - und bekommt als Rentner-Hure Geld für ihre geleisteten Liebesdienste.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Ich will ein Vorbild für meine Kolleginnen sein", sagte das 32-jährige Liebesmädchen Anna gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Wir Prostituierten brauchen endlich jemanden, der sich für uns einsetzt und hilft, wenn beispielweise Kunden nicht zahlen wollen."

Annas Mitgliedschaft in der Gewerkschaft wurde durch das neue Prostitutionsgesetz möglich. Ab dem 1. Januar ist das leichte Gewerbe rechtlich geschützt: Die Huren können erstmals ihren Lohn einklagen und sind sozialversicherungspflichtig. Im Alter bekommen sie Rente, schon heute sind sie krankenversichert und haben Anspruch auf Sozialleistungen.

Auch von ihren Zuhältern brauchen sie sich bald nicht mehr alles gefallen zu lassen: Entscheidet sich ein Bordellbesitzer, die Frau anzustellen, wird künftig etliches in dem Einstellungsvertrag geregelt.

"Auch Prostituierte haben das Recht auf soziale Absicherung", erklärte Verdi-Sprecherin Bettina Schwerdt der "Bild"-Zeitung. "Sie sind Arbeitnehmerinnen wie alle anderen auch. Für sie werden wir wie für alle anderen Mitglieder kämpfen."

Und um als neues Gewerkschaftsmitglied auch gleich noch das Image ihres Gewerbes aufzupolieren, lud Liebesmädchen Anna den Verdi-Boss Frank Bsirske ein. "Er soll sich alles mal genau anschauen und unsere Arbeitsbedingungen kennen lernen."