FOTOBÜCHER Vergessene Berufe
Milchkutscher, Schwertfeger, Feilenhauer - vor hundert Jahren waren das ehrbare Berufe, längst sind sie ausgestorben, und unter mancher Berufsbezeichnung kann man sich heute schon gar nichts mehr vorstellen: Was, bitte schön, macht ein Gasriecher? Welchen Job erledigt die Fahrtrichtungsanzeigerin? Und was geschieht eigentlich in einer Abzieherei? Ein Fotoband, zusammengestellt aus Berliner Sammlungen und Archiven, zeigt nun all diese vergessenen Berufe. Dutzende Frauen sieht man beispielsweise auf einem Foto aus dem Jahr 1923, die in einer Abzieherei sitzen und Rasierklingen den letzten Schliff geben. Es sind Bilder einer Welt, die noch nicht automatisiert und globalisiert ist, heute werden solche Jobs von Maschinen erledigt oder - wie etwa die Baumwollspinnerei - in Asien. Doch Nostalgie kommt nicht auf: Man sieht den Alltag vor hundert Jahren, nicht die gute alte Zeit. Und manche alten Berufe sind auch heute wieder da: Der Botenjunge von damals etwa ist heute Fahrradkurier.
Sarah Jost, Gabriela Wachter (Hg.): »Die verschwundene Arbeit«. Parthas Verlag, Berlin; 312 Seiten; 29,80 Euro.