Verhütung: Politikerinnen streiten um die "Pille danach" - DER SPIEGEL
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Verhütung Politikerinnen streiten um die "Pille danach"

Die "Pille danach" ist zum Zankapfel von Frauenpolitikerinnen aller Parteien geworden. SPD und Grüne schlugen vor, sie kostenlos an Schülerinnen abzugeben. CDU und FDP widersprachen heftig.
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Hamburg - Die Idee war simpel: Wie es in Frankreich bereits üblich ist, sollten Mädchen in der Schule die "Pille danach" bekommen können, um eine ungewollte Schwangerschaft nachträglich zu verhüten. "Die niedergelassenen Ärzte könnten an die Schulen gehen, dort mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst aufklären und die Pille danach - wenn es notwendig ist - kostenlos abgeben, so wie früher der zahnärztliche Dienst in die Klassen kam", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Gudrun Schaich-Walch im Interview mit der "Bild-Zeitung".

Die Grünen-Frauenpolitikerin Irmingard Schewe-Gerigk schloss sich an. Es sei gerade für Mädchen, die eine Schwangerschaft vermuten, "wichtig, eine anonyme Hilfe zu bekommen in Form der Pille danach", sagte sie. Die Pille solle nur in Notfällen und unter ärztlicher Aufsicht ausgegeben werden.

Der Vorschlag fand wenig Gegenliebe bei Politikerinnen von FDP und CDU. "So geht es nicht", sagte die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ina Lenke. "Das Präparat ist ein hochdosiertes Hormon, das man nicht einfach so einnehmen kann". Ein veränderter Blutdruck, Übelkeit und Erbrechen könnten damit verbunden sein. Außerdem würden das gesundheitliche Risiko und die Verantwortung allein der jungen Frau zugewiesen. Man sollte lieber Präservative kostenlos verteilen. Dann würden auch die jungen Männer mit in die Verantwortung einbezogen.

Die Vize-Unionsfraktionsvorsitzende Hannelore Rönsch nannte den Vorstoß "untragbar". Damit werde "der Gebrauch eines Mittels als völlig normal dargestellt, das über Verhütung hinaus einen Schritt in Richtung Schwangerschaftsabbruch tut".

Auch Antibabypillenhersteller Schering hält nichts von der freien Abgabe der Pille. Sprecherin Monika Klutz-Specht erklärte, die "Pille danach" sei nur für Notsituationen geeignet. "Sie bringt den Zyklus durcheinander. Man weiß nicht, wann der nächste Eisprung kommt." Eine Rezeptfreiheit für das Präparat sei jedenfalls nicht sinnvoll.

Bisher gibt es die "Pille danach" in Deutschland nur auf Rezept. Sie muss zwei bis drei Tage nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, um die Einnistung eines eventuell befruchteten Eis in die Gebärmutter zu verhindern. Dagegen kann die Abtreibungspille "Mifegyne" bis zu drei Monaten nach Beginn einer Schwangerschaft eingenommen werden. In Frankreich dürfen die Erste-Hilfe-Stationen an den Schulen seit Januar die "Pille danach" an Schülerinnen ausgeben.