Verkehrsstillstand Galgenhumor im Schneechaos
Hamburg - Uwe Lampe sitzt schon seit zwei Uhr nachts auf der A 2 im Auetal fest, dank Standheizung geht es ihm aber "janz jut". "Aber was soll ich mich rumärgern, man kann ja doch nichts machen", sagt der Lkw-Fahrer im Gespräch mit SPIEGEL-ONLINE. Und er kann dem Ganzen sogar noch etwas Positives abgewinnen: "Man kann sich im Schnee mit den anderen Kollegen gut unterhalten", erzählt er.
Das sehen die meisten Leute, die auf der A 2 festsitzen, offenbar ähnlich. "Allmählich haben die Leute hier schon einen richtigen Galgenhumor entwickelt", erzählt der Einsatzleiter des Roten Kreuzes, Bernd Harmening. "Sie sagen: Dumm gelaufen und grinsen dabei."
Seit 0.50 Uhr ist die Autobahn A 2 zwischen Lauenau und Bad Eilsen dicht: Lkw stehen quer, bis Mittag wird es nach Meinung des Roten Kreuzes mindestens noch dauern, bis sich der Stau auflösen wird.
Inzwischen versuchen Helfer des Roten Kreuzes, Auto- und Lastwagenfahrern die kalte Wartezeit so erträglich wie möglich zu machen, schenken Tee und Kaffee aus - bisher knapp 30 Liter - und verteilen warme Decken. Und in Härtefällen werden Staugeplagte auch mal ausgelagert: Eine Mutter mit einem Säugling brachte das Rot-Kreuz-Team kurz entschlossen in die Rettungswache, "damit sie sich nach vier Stunden im Stau mal erholen konnte".
Momentan hat es aufgehört zu schneien, "es ist richtig schön bei uns", meint Harmening, "die Sonne scheint, ein richtig tolle Winterlandschaft". 30 Zentimeter Neuschnee, glaubt sein Kollege Lars Löffler, habe es in der Nacht gegeben, "der überfrorene Schneematsch war dann das Problem".
Am meisten Schnee gab es im Norden Deutschlands, erklärt Andreas Friedrich, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst. "Das ging in einem Ring vom Emsland, über Ostfriesland, Hamburg, Leipzig, Sachsen und Dresden." 20 Zentimeter Neuschnee liegen zurzeit in Dresden, 37 Zentimeter auf dem Brocken, zehn Zentimeter in Hamburg. In Süddeutschland verzeichnet der ADAC seit Mitternacht bereits 130 Unfälle, vor allem in den frühen Morgenstunden habe es häufig gekracht, erklärt Andreas Weigel, Regionalsachbearbeiter beim ADAC Region Süd. "Sobald es minus zehn Grad und mehr hat, wird's kritisch, dass wissen wir schon". 70 gelbe Engel sind im Einsatz, die durchschnittliche Wartezeit auf ein ADAC-Fahrzeug aber liegt trotzdem bei 38 Minuten.
Bei solchem Wetter ist aber nicht nur Pannenhilfe, sondern auch psychologisches Geschick gefragt: "Viele Autofahrer sind mit den Nerven am Ende, wenn sie bei unserer Hotline anrufen", sagt Weigel. Die müsse man erst mal beruhigen, bevor man ein Fahrzeug losschicke.