Verschollene Malaysia-Boeing Fahnder suchen den Saboteur von Flug MH370
Verschollene Malaysia-Boeing: Fahnder suchen den Saboteur von Flug MH370
Foto: DAMIR SAGOLJ/ REUTERSKuala Lumpur - Eine Woche nach dem Verschwinden von Flug MH370 hat sich der malaysische Ministerpräsident Najib Razak mit neuen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit gewandt. Demnach flog die in Südostasien vermisste Passagiermaschine noch mindestens sieben Stunden weiter, nachdem sie nicht mehr vom Radar erfasst wurde. Er bestätigte damit Spekulationen der vergangenen Tage. Die Maschine verfolgte dabei demnach einen neuen Kurs: gen Westen. Der Sprit habe für bis zu acht Stunden ausgereicht - also etwa bis nach Kasachstan oder Turkmenistan.
Die Ermittler gehen nun davon aus, dass jemand absichtlich an Bord der Boeing 777-200 die Kommunikationsgeräte abschaltete. Najib sprach am Samstag in Kuala Lumpur von einer hohen Wahrscheinlichkeit. Nachdem die Verbindung gekappt war, habe die Maschine der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord eine neue Route mit unbekanntem Ziel in nordwestlicher Richtung eingeschlagen.
Najib äußerte sich nicht dazu, wer die Kommunikationssysteme deaktiviert haben könnte. Die Ermittler würden nun noch einmal genau untersuchen, welchen Hintergrund die Mitglieder der Crew haben und welche Passagiere sich an Bord befanden. Am Samstag wurde aber die Wohnung des 53-jährigen Piloten Zaharie Ahmad Shah der verschwundenen Maschine von der Polizei durchsucht. Die Aktion habe fast zeitgleich mit dem Ende der Pressekonferenz des Premiers begonnen. Es werde nach Hinweisen gesucht, die bei der Untersuchung helfen könnten.
Die jüngsten Erkenntnisse im Überblick:
- Das letzte an einen Satelliten geschickte Signal der Maschine stammt laut dem malaysischen Premier von 8.11 Uhr (Ortszeit) am 8. März. Gestartet war Flug MH370 um 0.41 Uhr, vom Radar verschwand er gegen 1.30 Uhr. Die Maschine war also noch siebeneinhalb Stunden in der Luft.
- Das malaysische Militär verfolgte Najib zufolge Signale eines Flugzeugs auf seinem Weg nach Westen. Nach heutiger Erkenntnis sei das mit großer Wahrscheinlichkeit die vermisste Boeing gewesen.
- Die Theorie, dass die Kommunikationanlage absichtlich abgeschaltet wurde, stützt sich darauf, dass zwei unabhängige Geräte kurz nacheinander abgeschaltet wurden: das digitale Funksystem Acars kurz nach dem Start in Kuala Lumpur und das zweite Gerät, der Transponder, wenig später. Das deute auf eine "absichtliche Aktion von jemandem an Bord des Flugzeugs" hin.
- Die letzte Position des Flugzeugs kann den jüngsten Informationen zufolge nicht genau bestimmt werden. Die Experten hätten aber zwei mögliche Flugkorridore ermittelt. Eine Route führe über das nördliche Thailand bis nach Kasachstan und Turkmenistan. Die andere gehe in südlicher Richtung von Indonesien in den Indischen Ozean.
- Die bisherige Suchaktion im Südchinesischen Meer soll abgebrochen werden. Nun soll entlang der beiden möglichen neuen Routen gesucht werden. 14 Länder sind derzeit beteiligt, etwa 60 Flugzeuge und 40 Schiffe suchen nach der Boeing der Malaysia Airlines.
Najib las nur eine Erklärung vor und beantwortete keine Fragen. Seine Pressekonferenz wurde live in ein Hotel in Peking übertragen, wo Familien von Passagieren seinen Ausführungen folgten. Einige reagierten geschockt, aber auch neue Hoffnungen keimten auf. Die Maschine war vor einer Woche auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking gewesen.
Premier spricht von neuer Phase
"Die Suche nach MH370 ist eindeutig in eine neue Phase eingetreten", sagte der Regierungschef. "Wir hoffen, dass uns diese neuen Informationen dem Auffinden des Flugzeugs einen Schritt näher bringen werden." Er verteidigte die Informationspolitik und die Ermittlungen der malaysischen Behörden. Es hatte Kritik an widersprüchlichen Angaben gegeben. "Wir haben die Verantwortung gegenüber den Ermittlungen und den Familien, nur Informationen herauszugeben, die bestätigt worden sind."
Das chinesische Staatsfernsehen berichtete zuletzt, die Maschine sei laut Überzeugung der Ermittler entführt worden. Der Bericht beruft sich auf nicht näher genannte Quellen in Kuala Lumpur. Die meisten Passagiere an Bord des Flugzeugs waren chinesische Staatsbürger.
Schon am Vortag hatte es Berichte darüber gegeben, dass die Boeing ihre Flugroute geändert habe. Das indische Verteidigungsministerium veröffentlichte eine Karte, auf der eine Flugroute bis über den Indischen Ozean eingezeichnet ist. Auch US-Medien berichteten, die Boeing könnte nach dem Abbruch des Funkkontaktes noch Stunden in Richtung Westen geflogen sein.
Nach Informationen der "New York Times" legten Radarsignale vom malaysischen Militär nahe , dass die Boeing kurz nach dem Verschwinden vom zivilen Radar auf eine Höhe von 13.700 Meter stieg - höher, als es für diesen Flugzeugtyp zulässig sei. Dann habe sie eine scharfe Kurve in westlicher Richtung eingeschlagen und sei auf 7010 Meter abgesunken, als sie sich der dicht bevölkerten Insel Penang genähert habe. Von dort sei sie wieder hochgeklettert und auf nordwestlichem Kurs in Richtung Indischer Ozean geflogen.
Um das Verschwinden ranken sich inzwischen etliche Spekulationen, die von einem terroristischen Anschlag bis zur Alien-Attacke reichen. Fälle großer Maschinen, die erst spät oder auch nie gefunden wurden, hat es allerdings in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben.