Verspätete Juli-Hitze Sommer, Sonne, Freibadwonne
Frankfurt am Main - Mit fast 40 Grad hat die Woche angefangen, sommerlich warm geht sie zu Ende: Die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) vorhergesagte "Kaltfront" soll zwar immer wieder Wolken und Gewitter bringen, die Temperaturen sollen aber mit Höchstwerten zwischen 25 und 30 Grad im größten Teil Deutschlands hochsommerlich bleiben, sagt der Deutsche Wetterdienst vorher.
Heute lief die erste Hitzewelle dieses Sommers ihrem Höhepunkt entgegen. Nachdem bereits gestern in Sinsheim in Baden-Württemberg 37,4 Grad und in Karlsruhe 37 Grad gemessen worden waren, war es in Holzdorf 100 Kilometer südlich von Berlin heute bereits am frühen Nachmittag 37,7 Grad heiß, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Später stiegen die Temperaturen dort sogar auf 38,6 Grad - laut DWD ein neuer Wärmerekord für dieses Jahr. In Sachsen und Brandenburg wird zudem eine weitere tropische, das heißt über 20 Grad warme Nacht erwartet. In Bautzen-Kubschütz war in der Nacht mit einer Tiefsttemperatur von 26,1 Grad ein neuer Höchstwert gemessen worden.
Heute versuchten die Menschen von der Nordsee bis zu den Alpen, sich den Tag so erträglich wie möglich zu gestalten. Auf der Schwäbischen Alb flüchteten Urlauber zu Besuchen in Höhlen. In der Bärenhöhle bei Reutlingen herrschten etwa neun Grad. In die Höhe zog es dagegen die Berliner. Als Alternative zu den Strandbars haben sie die Dachterrasse entdeckt. Hotels servierten Gästen kalte Drinks in luftiger Höhe. Ein eigenes Schwimmbecken bekamen die Hunde im Tierheim Berlin-Hohenschönhausen zur Abkühlung. Wegen des großen Besucheransturms verlängerten viele Freibäder ihre Öffnungszeiten.
Mehr Wasser für Häftlinge
Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Hannover erhielten zusätzliche Getränke. "Auf Verlangen" würden so viel Wasser und Früchtetee ausgeschenkt wie die Häftlinge wollten, sagte eine Sprecherin. In Stuttgart wurden Bauarbeiter teils mit Schutzkleidung ausgestattet. "Viele große Baufirmen verteilen T-Shirts mit UV-Schutz", berichtete ein Geschäftsführer.
Die Hitze machte nicht nur den Menschen zu schaffen, sondern auch manchen Straßen, deren Asphalt aufplatzte. Die Autobahn 661 in Südhessen musste voll gesperrt werden, weil die Fahrbahndecke gerissen war. Auf der Tauernautobahn in Österreich schoben sich wegen der Hitze zwei Betonplatten gegeneinander, so dass sie fünf Zentimeter in die Höhe standen, wie die Nachrichtenagentur APA meldete. Die Überholspur musste gesperrt werden.
Von einem sprunghaften Anstieg der Einsätze berichtete die Karlsruher Rettungsleitstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die Menschen seien wegen der Hitze unkonzentrierter, was zu mehr Unfällen führe, sagte DRK-Leiter Jürgen Schlindwein. Außerdem habe das DRK viele Herz-Kreislauf-Patienten behandelt müssen. Als besonders gefährdet gelten alte Menschen. Das saarländische Gesundheitsministerium will deshalb überprüfen, ob in Seniorenheimen ausreichend Flüssigkeit an die Bewohner ausgegeben wird.
Idealbedingungen für geflügelte Plagegeister
In Sachsen wurden in diesem Jahr erstmals die Ozon-Grenzwerte überschritten. Auch Plagegeister fühlen sich in der Hitze wohl: Mücken haben nach Angaben des Naturschutzbundes derzeit "ideale Brutbedingungen".
Bei Landwirten löst die Hitzewelle Betriebsamkeit aus. Mit ihren Mähdreschern wollen sie vor den nächsten Niederschlägen das Getreide einfahren. "Die Bauern ernten, was sie reinkriegen und sind nur durch Regen zu stoppen", sagte eine Sprecherin der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Bei den warmen Nächten könnten Landwirte rund um die Uhr arbeiten. Die Bauern müssen sich beeilen: Von Südwesten ziehen in den kommenden Tagen Gewitter auf, die Meteorologen rechnen mit kräftigen Schauern. Trotz allem soll es warm bleiben.
Mit den derzeitigen Temperaturen setzte sich Deutschland dank Luftmassen aus Nordafrika sogar an die Spitze der Temperatur-Rangliste in Europa. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia war es selbst in traditionell heißen Urlaubsregionen am Mittelmeer kühler, zum Beispiel in der Südtürkei (37 Grad), Spanien (34 Grad) und Sizilien (31 Grad). Ungarn und Bulgarien richten sich dagegen auf eine noch größere Hitzewelle ein, mit Temperaturen um 40 Grad. Am Stadtrand von Athen stand wegen Hitze und Trockenheit ein Wald in Flammen.
ffr/AP/dpa