Verstorbene Millionärin: Das Erbe der Huguette Clark
Verstorbene Millionärin Huguette Clarks Anwesen wird ein Museum
Los Angeles - Huguette Clark starb im Mai, 104 Jahre wurde sie alt. Eine Frau, die in jungen Jahren eine der bekanntesten Society-Ladys war, 1930 aber von der Bildfläche verschwand - und nie wieder auftauchte. Nun wird gerätselt: Wer war die Frau? Warum zog sie sich zurück? Investigative Reporter machten sich auf, ihr Leben zu erforschen.
Clark hatte die öffentliche Neugier zu Lebzeiten offenbar schon im Blick: In ihrem Testament verfügte sie, dass aus ihrem Anwesen im kalifornischen Santa Barbara ein Museum werden solle, berichtete die "Los Angeles Times" am Donnerstag. Ihre umfangreiche Sammlung von Gemälden, Musikinstrumenten - Clark besaß mindestens eine Stradivari - und seltenen Büchern soll dort ausgestellt werden.
Clark selbst hat nach Angaben der Zeitung seit mindestens 50 Jahren keinen Fuß mehr auf das mehr als neun Hektar große Anwesen gesetzt. Es liegt auf einem Hügel mit Blick über den Pazifik und wird Bellosguardo genannt, "schöne Aussicht". Einziger Bewohner war ein von Clark engagierter Hausverwalter.
Monet-Bild war seit 1925 nicht mehr ausgestellt worden
"In den großen Sälen werden großartige Kunstwerke ausgestellt, die seit Jahrzehnten nicht zu sehen waren", sagte Anwalt James Hurley, der sich um das Anwesen kümmert. "Die Leidenschaft und das Wesen von Frau Clark werden zum Leben erweckt."
Das Vermögen Clarks wird auf 400 Millionen Dollar geschätzt. In ihrem Apartment in Manhattan hingen Gemälde von Künstlern wie Renoir und John Singer Sargent. In ihrem Besitz war auch ein Bild aus Monets berühmter Wasserlilien-Serie, das nun einem Museum in Washington geschenkt wurde. Nach Angaben der "New York Post" war es seit 1925 nicht mehr öffentlich ausgestellt worden.
Huguette war die Tochter von William Andrews Clark, einem Mann, der es mit Kupfer zu enormem Reichtum brachte. Die Millionenerbin lebte jahrelang in einem Apartment in Manhatten, Fifth Avenue, Blick auf den Central Park. Sie zog dann in ein Privatzimmer eines Krankenhauses auf der East Side. Dort verbrachte sie - umringt von ihren Puppen - die letzten Jahrzehnte.
Das aktuellste Foto, das von ihr bekannt ist, zeigt sie in einem Wintermantel mit enormem Fuchskragen. Es stammt vom 11. August 1930.
Ihr Testament unterschrieb Clark 2005. Sie hatte sich 1930 nach nur zwei Jahren Ehe scheiden lassen und blieb ebenso kinderlos wie ihre verstorbene Schwester.
Clark macht eine Krankenschwester zur Multimillionärin
Im vergangenen Jahr hatten einige entfernte Verwandte vor Gericht behauptet, Clark werde von ihrem langjährigen Anwalt und ihrem Buchhalter ausgebeutet. Sie waren aufgebracht, nachdem der Buchhalter zugegeben hatte, Jugendlichen per Email pornografisches Material geschickt zu haben.
Ihr Testament zeige, dass Clark ihr Vertrauen in beide Männer nicht verloren habe, berichtet die "Los Angeles Times". Clark habe sie mit der Vollstreckung beauftragt und ihnen den Auftrag gegeben, die Bellosguardo-Stiftung zu gründen. Sie wird Träger des Museums in Santa Barbara sein. Außerdem erbten beide Männer jeweils 500.000 Dollar.
Das wird sie freuen, ist aber ein geringer Betrag im Vergleich zu dem, was die Krankenschwester Hadassah Peri erhält: Clark spricht ihr in ihrem Testament rund 37 Millionen Dollar zu - und ihre Puppensammlung. Peri verbrachte nach eigenen Angaben in den letzten 20 Jahren so viel Zeit mit der alten Dame wie sonst niemand. "Ich kannte sie als eine höfliche und großzügige Frau, mit der ich viele wundervolle Momente geteilt und die ich sehr geliebt habe", sagte Peri der "New York Post".
Eine Patentochter soll nach Angaben der Zeitung 14 Millionen Dollar erhalten. Alle entfernten Verwandten gehen leer aus.