Videobotschaft: Michael Jackson beteuert seine Unschuld - DER SPIEGEL
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Videobotschaft Michael Jackson beteuert seine Unschuld

Es ist ein Medienspektakel sondergleichen. Ein Großaufgebot von Kamerateams und Journalisten aus aller Welt wartet in Santa Maria auf den heutigen Beginn des Strafprozesses gegen Michael Jackson. Der richtete sich in einer Videobotschaft bereits an seine Fans: "Ich werde freigesprochen, wenn die Wahrheit ans Licht kommt."
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Los Angeles - Das Verfahren wegen angeblichen Kindesmissbrauchs gegen den Pop-Star beginnt heute im kalifornischen Santa Maria mit der Auswahl der Geschworenen für das Hauptverfahren. In dem gestern über seine Web-Site verbreiteten Video wies Jackson die Vorwürfe zurück, er habe einem heute 15-jährigen Jungen Alkohol verabreicht und sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen.

"In den vergangenen Wochen ist eine ganze Menge an schmutzigen, bösartigen Informationen in den Medien über mich verbreitet worden", sagte Jackson. Der 46-Jährige trug ein blaues Hemd mit offenem Kragen und blickte während der einminütigen Ansprache direkt in die Kamera. "Ich werde freigesprochen und rehabilitiert, wenn die Wahrheit ans Licht kommt", beteuerte Jackson. Ihm werden in zehn Anklagepunkten unzüchtige Handlungen, Kindesentführung, Erpressung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Sollte er verurteilt werden, drohen dem Popstar bis zu 20 Jahre Haft.

Rückendeckung erhielt Michael Jackson von seinen Eltern. "Mein Sohn würde niemals einem Kind Schaden zufügen. Dafür hat er Kinder viel zu lieb", sagte Mutter Katherine Jackson in einem Interview des US-Fernsehsenders CBS.

Der zuständige Richter Rodney Melville hatte am Freitag entschieden, dass Bücher, Magazine und auch DVDs in dem Fall als Beweismaterial herangezogen werden können. Die Polizei war bei der Durchsuchung des weitläufigen Anwesens Jacksons in Kalifornien im November 2003 auf entsprechendes Material gestoßen. Melville untersagte der Staatsanwaltschaft, das Material als "pornografisch" oder "obszön" zu bezeichnen. Es dürfe den Juroren nur als "sexuell explizit" oder "für Erwachsene" vorgestellt werden.

Der Richter entschied zudem, dass eine TV-Dokumentation des britischen Senders BBC den Geschworenen als Beweismaterial gezeigt werden könne. In dem 2003 ausgestrahlten Bericht war Jackson Hand in Hand mit dem damals 13-jährigen Jungen zu sehen, der das Verfahren gegen den Musiker ins Rollen brachte. Einige Bücher mit Akt-Aufnahmen junger Männer, die bereits 1993 bei der Spurensuche in einem anderen Fall auf Jacksons Anwesen konfisziert wurden, verbot er als Beweismaterial.

Vater Jackson: "Er hat doch nichts Falsches angestellt"

Die Forderung der Staatsanwaltschaft, den jugendlichen Kläger nur hinter verschlossenen Türen zu hören, lehnte der Richter Rodney Melville ebenfalls ab. Nun sind Reporter und die Öffentlichkeit zugelassen, wenn der Junge seine Vorwürfe gegen Jackson erhebt.

Jackson sei das Opfer einer Rufmordkampagne, argumentieren seine Anwälte. "Wir wissen, dass er kein Pädophiler ist", sagte Vater Joe Jackson in dem CBS-Interview. Er hält Rassismus für einen möglichen Grund für den Prozess gegen seinen Sohn. Die Eltern vermuten auch Geld als mögliches Motiv.

Es habe ihr sehr wehgetan, ihren Sohn in Handschellen zu sehen, sagte die Mutter. An einem Tag sei sie zufällig auf der Neverland Ranch gewesen, als Mitarbeiter der Kinderschutzbehörde überraschend vorbeikamen. "Es war ein schreckliches Gefühl, nur der Gedanke daran, dass sie meine Enkel wegnehmen könnten." Jackson ist Vater von drei kleinen Kindern, zwei davon aus der Beziehung mit Ex-Ehefrau Debbie Rowe.

Warum er nicht "von Vater zu Sohn" mit Jackson über die häufigen Besuche fremder Kindern geredet habe, wurde Joe Jackson in dem Interview gefragt. "Weil es doch nicht falsch war, dass die Kinder ihn besuchten", erwiderte der Vater. "Warum hätte ich ihm das vorwerfen sollen, er hat doch nichts Falsches angestellt."

Aus zunächst rund 750 potentiellen Jury-Mitgliedern werden ab heute über Wochen hinweg in einem komplizierten Verfahren zwölf Geschworene und acht Ersatzleute ausgewählt. Die Eröffnungsplädoyers im Hauptverfahren werden erst in einigen Wochen erwartet.

Zur Jury-Auswahl muss auch Jackson selbst vor Gericht erscheinen. Der Richter rief Anklage und Verteidigung zu einem fairen Umgangston auf. Er werde keine "persönlichen Attacken" dulden. Die ganze Welt werde den Fall verfolgen. Es sei die Verantwortung aller Beteiligten zu zeigen, "welch ein feines (Rechts-)System wir haben".

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