Viele Tote Explosion in sibirischem Bergwerk
Moskau - Die Bergwerksleitung soll von der lebensgefährlich hohen Methangas- Konzentration gewusst haben. Das sibirische Bergwerk gehört zum weit verzweigten Firmenimperium des reichsten Russen Roman Abramowitsch. Beim jüngsten Unglück im russischen Kohlerevier Kusbass steht die Bergwerksleitung im Verdacht, trotz wiederholter Warnungen nichts zum Schutz der Arbeiter unternommen zu haben.
"Wegen des erhöhten Methangehalts sollte der Abbau im betroffenen Streb eigentlich vor einer Woche unterbrochen werden", sagte ein Mitarbeiter des Bergwerks Jubilejnaja der Agentur Interfax. Aus unerklärlichen Gründen sei aber die Anweisung gekommen, weiterhin Kohle zu fördern. Zum Zeitpunkt der Explosion in 500 Metern Tiefe arbeiteten rund 220 Bergleute unter Tage. Seit Jahresbeginn starben in Russland bereits etwa 150 Bergarbeiter.
Im vergangenen Monat habe die Methankonzentration im Jubilejnaja- Schacht den Normalwert manchmal um das Zwanzigfache übertroffen, sagte ein namentlich nicht genannter Angestellter des Bergwerks. Dagegen erklärte der Gouverneur des betroffenen Gebietes Kemerowo, Aman Tulejew, die Explosion habe sich völlig überraschend ereignet. Bis dahin seien alle Gaswerte normal gewesen.
Die Aufsichtsbehörde leitete ein Verfahren zur Aufklärung der häufigen Explosionen in Anlagen der Bergbau-Holding Juschkusbasugol ein. Es sei möglich, dass der Holding die Betreiberlizenz entzogen werde, sagte ein Ermittler. In der Schachtanlage Jubilejnaja seien bereits in der Vergangenheit schwere Verstöße gegen Sicherheitsauflagen registriert worden. Vor fünf Jahren kamen in dem Bergwerk sechs Arbeiter bei einer Explosion unter Tage ums Leben.
Im Kohlerevier Kusbass kommt es immer wieder zu schweren Methanexplosionen mit vielen Toten. Zwar wurden einige profitable Bergwerke in den vergangenen Jahren modernisiert, doch vielerorts herrschen noch immer lebensgefährliche Arbeitsbedingungen unter Tage.
Noch deutlich schlechter als in Russland sind die Schutzvorkehrungen in chinesischen Bergwerken. Bei der Gasexplosion in einem Kohlebergwerk in der Provinz Sichuan kamen 13 Kumpel ums Leben. Sieben wurden verletzt, einer von ihnen schwer, teilte die Regierung am Donnerstag mit. Bei Bergwerksunglücken in China kommen jährlich etwa 5000 Arbeiter ums Leben.
jjc/Reuters/dpa