Vietnam Zehntausende fliehen vor "Xangsane"
Hanoi/Manila - Experten von Katastrophenschutz und Wetterdienst in Hanoi rechneten bereits für Samstagabend Orstzeit mit ersten Vorboten des Taifuns. Der Sturm selbst sollte mitten in der Nacht (20.00 Uhr MESZ) die Küstenprovinzen zwischen Hue und Quang Ngai erreichen. Die Auswirkungen von "Xangsane" könnten verheerend sein. Die Behörden rechnen mit schweren Regenfällen, Überschwemmungen und Erdrutschen.
In beispiellosen Schutzvorkehrungen bereitete sich das Land deshalb auf den Taifun vor: Mehr als 180.000 Bewohner der betroffenen Küstenregionen wurden in Sicherheit gebracht. Sie suchten in Schulen und Regierungsgebäuden im Landesinneren Schutz. Außerdem versuchten die staatlichen Stellen Kontakt zu mehr als 170 Fischerbooten auf dem südchinesischen Meer aufzunehmen, um sie zur Umkehr zu bewegen.
Die Regierung macht angesichts der drohenden Gefahr Druck. Vize-Regierungschef Nguyen Sinh Hung reiste eigens in die Provinz Danang, um die Vorsorgemaßnahmen zu überwachen. Er drohte führenden Funktionären der betroffenen Regionen mit Entlassung, sollte es ihnen nicht gelingen, alle gefährdeten Schiffe mit mehr als rund tausend Seeleuten an Bord rechtzeitig aus der Sturmschneise zu holen. Vorsorglich bat das Außenministerium die angrenzenden Staaten, den Fischern Schutz zu gewähren. Der staatliche Rundfunk sendete halbstündlich, das Fernsehen jede Stunde aktualisierte Sturmwarnungen.
Beispielloses Schutzprogramm in der Geschichte Vietnams
Sicherheitsvorkehrungen in diesem Ausmaß hat es in Vietnam seit rund drei Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Die Führung der Sozialistischen Republik will damit eine ähnliche Katastrophe wie beim Durchzug des Taifuns Chanchu im vergangenen Mai verhindern. Hunderte Menschen waren damals ums Leben gekommen, darunter zahlreiche Fischer. Die Vorkehrungen der Behörden erwiesen sich als völlig unzureichend.
Die Behörden haben außerdem vor Augen, welches fürchterliche Szenario "Xangsane" hervorrufen könnte. Der Taifun hatte bereits am Donnerstag auf der philippinischen Hauptinsel Luzon schwere Verwüstungen angerichtet. Mindestens 62 Menschen wurden getötet, knapp 70 galten noch als vermisst. Die Aufräumarbeiten dauerten am Samstag weiter an. Zwei Tage, nachdem der Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten von 130 Stundenkilometern über Luzon hinweggefegt war, hatten Millionen Menschen immer noch keinen Strom. Zahlreiche Straßen waren weiterhin unpassierbar. Tausende Rettungsleute und Soldaten waren im Einsatz.
Zuletzt erreichte der Sturm über dem Südchinesischen Meer Windgeschwindigkeiten von bis zu 149 Kilometern pro Stunde. Inlandsflüge in der Region wurden bis auf weiteres ausgesetzt, internationale Flüge umgeleitet. In Vietnam und auf den Philippinen kommen bei Tropenstürmen jedes Jahr mehrere hundert Menschen ums Leben.
fok/AFP/Reuters