Virus an Bord SARS-Patient flog siebenmal Lufthansa
Hongkong - Der 48-jährige SARS-Patient war in den vergangenen Wochen an Bord von sieben Lufthansa-Flügen gewesen, meldeten die Behörden in Hongkong am Donnerstag. Vorsorglich riefen sie alle Passagiere der Flüge auf, sich einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen.
Der Patient habe bei einem Aufenthalt in Barcelona am 31. März erste Symptome der gefährlichen Lungenkrankheit gezeigt. Er liegt seit Dienstag in Hongkong im Krankenhaus. Nähere Einzelheiten über die Identität des Mannes gaben die Behörden zunächst nicht bekannt.
Betroffen sind den Angaben zufolge die folgenden Lufthansa-Flüge:
- LH731 von Hongkong nach München am 30. März
- LH4316 von München nach Barcelona am 31. März
- LH4303 von Barcelona nach Frankfurt am 2. April
- LH4520 von Frankfurt nach London am 2. April
- LH4671 von London nach München am 3. April
- LH265 von München nach Frankfurt am 4. April
- LH738 von Frankfurt nach Hongkong am 4. April.
Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass das Unternehmen am Donnerstag von den Behörden in Hongkong über den aktuellen Fall informiert worden sei. Der Chinese, bei dem nun die Krankheit diagnostiziert wurde, sei bei insgesamt sieben Flügen der Lufthansa an Bord gewesen. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch bei der Lufthansa so ein Fall auftritt."
Das Unternehmen gehe davon aus, dass "die Ansteckungsgefahr gegen Null geht". Jachnow begründete die Einschätzung damit, dass der Mann zum Zeitpunkt der Flüge nur einige Symptome gezeigt habe. Ansteckend seien SARS-Patienten laut Experten aber erst dann, wenn sie alle Symptome zeigten. "Das war bei dem Patienten am 8. April der Fall." Seine Reise habe der Mann aber bereits am 4. April in Hongkong beendet.
"Besatzung und Passagiere, die in unmittelbarer Umgebung des Mannes saßen, werden von der Lufthansa kontaktiert." Eine Gefahr für die restlichen Passagiere an Bord schloss Jachnow ebenso aus wie die Verbreitung des Virus über Klimaanlagen an Bord der Flugzeuge. Die betroffenen Maschinen wurden desinfiziert. Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass die Ansteckung über Tröpfcheninfektion erfolgt.
Nach fünf weiteren Todesfällen in China und Hongkong stieg die Zahl der SARS-Opfer inzwischen weltweit auf mindestens 111. Drei der neuen Todesfälle wurden in Hongkong registriert. Gesundheitsminister Yeoh Eng Kiong kündigte an, jeder, der mit einem SARS-Kranken zusammenlebe, müsse sich für zehn Tage in Quarantäne begeben. Insgesamt starben in der ehemaligen britischen Kronkolonie bereits 30 Menschen an der Lungenseuche. Mit den neuen Todesfällen erhöhte sich die Zahl in China nach einer offiziellen Erklärung auf 55.