Nachbau: Die Arche in den Niederlanden
Vorbild Bibel Niederländer baut gigantische Arche
Dordrecht - Alles begann mit einem Alptraum, sagt Johan Huibers. Im Schlaf habe er gesehen, wie die Nordsee die Niederlande überschwemmte. 1992 sei das gewesen. Am nächsten Tag habe er sich ein Buch über Noahs Arche gekauft, so der 52-Jährige, und daraus sei die Idee entstanden, das biblische Schiff nachzubauen.
Nun, knapp 20 Jahre später, steht seine Mission vor der Vollendung.
An einem verlassenen Kai am Fluss Merwede, 65 Kilometer südlich von Amsterdam, liegt Huibers Arche. Drei Jahre lang werkelten er und seine 50 Mitarbeiter in der Stadt Dordrecht an dem Schiff, Ende des Jahres soll es fertig sein. "Wir wollen den Menschen von Gott erzählen", sagt der tief religiöse Huibers. "Wir wollten etwas schaffen, das hilft, die Bibel zu erklären."
Den Bau der Arche setzte er streng nach den Angaben aus dem Buch Genesis um. "300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch soll sie sein", spricht Gott in der Bibel zu Noah. Davon ausgehend, dass eine Elle vom Ellbogen bis zur Fingerspitze reicht - etwa 50 Zentimeter -, erreicht die holländische Arche eine enorme Dimension: Sie ist 150 Meter lang, 25 Meter breit, hat vier Stockwerke und wiegt etwa 3000 Tonnen.
"Als Holz haben wir schwedische Kiefer verwendet, denn das kommt dem Zypressenholz, das Gott Noah zu verwenden auftrug, am nächsten", sagt Huibers. Seine Arche soll natürlich auch mit Tieren bevölkert werden - aber nicht mit echten. 1600 Arten soll das Schiff aufnehmen, lebensgroß aus Plastik, hergestellt auf den Philippinen.
An Bord wird es einen Mahlstein geben, mit dem Getreide für Brot gemahlen werden kann, dazu Schlafräume, ein Theater, eine Bühne, ein Restaurant und Platz für bis zu 1500 Konferenzteilnehmer. Künstler werden die Wände mit Szenen aus der Bibel bemalen.
Huibers will das Schiff zu einem mobilen Bibelmuseum machen. Eine der ersten Stationen soll London sein. Rechtzeitig zu den Olympischen Sommerspielen 2012 will er das Schiff über den Kanal nach Großbritannien schleppen. Die Arche sei seetüchtig, sagt Huibers, das habe eine Testfahrt in den größten europäischen Hafen nach Rotterdam gezeigt. Schließlich ist es nicht das erste biblische Schiff, das der Unternehmer bauen ließ.
Die erste Arche war 2004 fertig und maß 70 Meter. Damit bot er Ausflugsfahrten auf niederländischen Kanälen an. Die Einnahmen daraus verwendete er für seine große Arche. Weitere drei Millionen Euro für das Projekt lieh Huibers sich von einer Bank. "Und meine 93 Jahre alte Mutter gab 100 Euro", sagt er.
In seiner Familie sorgt das Projekt durchaus für Diskussionen. Huibers Frau Bianca, eine Polizistin, ist nicht so begeistert wie ihr Mann. Auch Sohn Ray fand das Vorhaben anfangs "ein bisschen seltsam". Doch inzwischen arbeitet der 23-Jährige jeden Tag an der Arche.