Vulkan-Inferno Die Panik der hungernden Flüchtlinge
Goma - Ein belgischer Diplomat berichtete, dass bereits Flüchtlinge an Unterernährung und Austrocknung sterben. Uno-Vertreter erklärten, bei dem Vulkanausbruch seien mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. Experten befürchten zudem eine Cholera-Epidemie, weil die verzweifelten Menschen das verseuchte Wasser des Kivusees trinken.
Am Samstag wälzte sich ein eineinhalb Meter dicker Strom glühender Lava durch die Stadt Goma und hinterließ dort eine Spur der Verwüstung. "Die Stadt brennt", sagte Anne Morris von der Hilfsorganisation CARE nach einem Erkundungsflug über Goma, in dem einmal 350.000 Menschen lebten.
"Das Wasser ist pures Gift"
Die Lava floss vom 3.471 Meter hohen Nyiragongo, der rund 50 Kilometer nördlich von Goma liegt, durch das Geschäftsviertel der Stadt und dann in den Kivusee. Gut ein Dutzend Erdbeben erschütterten die Region jede Stunde. Mehr als die Hälfte von Goma wurde bislang durch die Lava zerstört. Häuser brannten nieder, Propangasflaschen explodierten. Nur wenige Polizisten patrouillierten noch in der verwaisten Stadt. Die Rebellen ordneten die Evakuierung Gomas an, mehrere hundert Einwohner versuchten dennoch, in ihre Häuser zurückzukehren.
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Bei der Naturkatastrophe wurde auch das Wasseraufbereitungssystem der Stadt zerstört. Viele Menschen sind deshalb gezwungen, verseuchtes Wasser aus dem Kivusee zu trinken. In diesen werden alle Abwässer aus Goma eingeleitet, auch die Lavaströme flossen in den See. "Das Seewasser ist pures Gift", sagte der Militärattache der elgischen Botschaft in Ruanda, Major Pierre Pinchart.
Angst vor Methangas-Explosion
Der Attache kündigte an, dass am Sonntag belgische Hilfslieferungen eintreffen sollen, die unter anderem Wasseraufbereitungssysteme enthalten. Internationale Hilfskräfte befürchten zudem, dass das im Kivusee natürlich vorkommende Methangas explodieren oder in Blasen an die Oberfläche kommen und Menschen töten könnte. Mehr als 300.000 Menschen haben sich nach Ruanda geflüchtet, 200.000 sind Schätzungen zufolge in den Westen Kongos unterwegs. Aus dem ruandischen Gisenyi wurden chaotische Zustände gemeldet. "Es gibt kein Essen, kein Wasser und keine sanitären Anlagen", sagte der Lehrer Richard Mwambo, der aus Goma fliehen musste: "Wir haben Angst zu sterben." Um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen, stellte CARE Notunterkünfte, Decken, mobile Kliniken und sanitäre Anlagen zur Verfügung.
Nach dem Ausbruch des Vulkans Nyiragongo haben Bewohner der völlig verwüsteten Stadt Goma angefangen, Häuser und Geschäfte zu plündern, berichtet der Fernsehsender CNN. Augenzeugen schätzen, dass sich nach der Flucht von rund 400.000 Einwohnern noch immer bis zu 150 000 Menschen in der Stadt befinden. Vielen von ihnen ist der Fluchtweg durch einen 300 Meter breiten Lavastrom abgeschnitten.
Der Nyiragongo war zuletzt 1977 ausgebrochen. Zusammen mit dem benachbarten Nyamulagira (3.058 Meter) bildet er das westliche Ende der Virunga-Kette von insgesamt acht Vulkanen. Er gilt als einer der aktivsten Vulkane Afrikas.
Schwere Erdstöße in der ruandischen Grenzstadt Gisenyi schüren unterdessen dort die Angst vor einer Ausweitung der verheerenden Vulkan-Katastrophe in Ostkongo. "Die Beben sind teilweise sehr stark", sagte der Gouverneur der Stadt, Fidele Mitsindo, im lokalen Radio. Mehrere Risse hätten sich bereits im Boden aufgetan. Mindestens ein Wohnhaus sei zusammengestürzt.
Nach der fast völligen Zerstörung der ostkongolesischen Ortschaft Goma durch den Ausbruch des Vulkans Nyiragongo haben sich seit Donnerstag bis zu 400 000 Menschen nach Gisenyi geflüchtet. Viele von ihnen sind aus Furcht vor einer neuen Katastrophe aber bereits wieder in Richtung der 40 Kilometer entfernten Stadt Ruhengeri weiter gezogen.