Wacken Open Air: Schaumbad mit Ozzy
Wacken Open Air Schwermetall und Tiger-Mini
Wacken - Der Boden war noch matschig, aber der Dauerregen legte eine Pause ein, als Rocklegende Ozzy Osbourne die Bühne betrat. Der Headliner des diesjährigen Wacken Open Airs bescherte den angereisten Fans am Donnerstag einen feucht-fröhlichen Start ins lange Metal-Wochenende. Mit dem Satz "I can't fucking hear you" feuerte er die Menschen vor der Bühne an, die skandierten "Ozzy, Ozzy" - und wurden dann von ihrem Idol mit Schaum und Wasser übergossen.
Zum 22. Mal verwandelte sich ein Acker in der Nähe des Dorfes Wacken in eine Pilgerstätte für Metal-Fans. 1800 Menschen wohnen normalerweise in der schleswig-holsteinischen Gemeinde, 75.000 reisten in diesem Jahr zum Festival. Beim ersten Wacken Open Air im Jahr 1990 waren die Metaller noch in der Unterzahl: 800 versammelten sich damals auf einer Kuhweide nahe Itzehoe. Inzwischen kommen auf jeden Dorfbewohner etwa vierzig Festivalgäste.
Schon seit Beginn der Woche zogen Autos mit dem Kürzel "W.O.A" auf der Heckscheibe in Richtung Norden. Viele der Fans reisten früh an, denn schon am Mittwoch begann das Aufwärmprogramm. Wie in jedem Jahr spielte die örtliche Feuerwehrkapelle; "Smoke on the Water" und "Highway to Hell" ausnahmsweise auf der Trompete statt auf der E-Gitarre. Offiziell los ging es dann am Donnerstag: 120 Bands in drei Tagen, große Namen wie Judas Priest und Motörhead waren dabei, ebenso bekannte deutsche Bands wie Blind Guardian oder Helloween.
Für Zwist unter den Metallern sorgte das Rahmenprogramm. Stripperinnen und Wrestling-Kämpfe - das hat für den ein oder anderen nichts mehr mit Heavy Metal zu tun. Vielen Wacken-Fans gilt das Festival in Schleswig-Holstein als größtes Familientreffen der Metal-Gemeinde. Für viele andere ist es eine Art Ballermann mit harter Musik.
Aber für alle gilt: Das Wochenende in Wacken ist etwas Außergewöhnliches. Sichtbar wurde das vor allem am Dresscode. Bärenfell tanzte neben Schottenrock, glänzendes Leder traf auf Tiger-Mini und Zebramuster "Hier kann ich aus meinem Alltag ausbrechen und auffallen", sagte Julia, eine der Festivalbesucherinnen. Die 23-Jährige ist Rechtsanwaltsgehilfin. An diesem Wochenende tauschte sie Blazer und Anzughose gegen ein Kostüm aus Lackleder.
Dafür kommen Fans aus der ganzen Welt nach Wacken, aus Japan, Australien, Amerika: Für ein Wochenende Ausnahmezustand - und für Heavy Metal.