Waldbrände in Portugal Hilferuf an die EU
Berlin - Die Krise sei ohne ausländische Unterstützung nicht zu bewältigen, sagte Innenminister Antonio Costa. Er sprach von einem der schlimmsten Brandjahre in der jüngeren Vergangenheit. "Jetzt wird Hilfe benötigt", so der Minister.
Seit Tagen breiten sich in mehreren Gebieten Portugals Waldbrände aus. Für die kommenden Tage wurden weiterhin hohe Temperaturen und heftiger Wind vorhergesagt, was die Lage noch dramatischer werden lassen könnte. Betroffen sind vor allem der Norden und die Mitte Portugals.
Ein bereits gelöscht geglaubter Waldbrand im Norden flammte am Freitagabend neu auf. Nach Angaben der Feuerwehr vom Samstag mussten deswegen mehrere Dörfer evakuiert werden. Die Flammen in der Region Pampilhosa da Serra nördlich von Coimbra breiteten sich an drei Fronten aus. 30.000 der 39.000 Hektar der Region sind bereits verwüstet. Allein dort waren 200 Feuerwehrleute mit 74 Löschzügen und drei Löschflugzeugen und Hubschraubern im Einsatz.
Ministerpräsident José Socrates würdigte die Arbeit der Feuerwehrleute am Sonntag bei einem Besuch in der Region. Landesweit kämpften rund 2.900 Einsatzkräfte gegen die Flammen. Mehr als 200 Polizisten wurden zusätzlich in den betroffenen Gebieten erwartet, um bei der Evakuierung von Dörfern, Straßensperrungen und bei der Sicherung der Zufahrtswege für die Feuerwehr zu helfen. In mehreren Gebieten des Bezirks Viseu wurden am Samstag Notfallpläne aktiviert.
Aus Frankreich wurden am Sonntagnachmittag zwei Löschflugzeuge erwartet. Bundesinnenminister Otto Schily entsendet am Montag drei Hubschrauber der Bundespolizei ins Krisengebiet. Das vereinbarte Schily am Sonntag mit seinem portugiesischen Kollegen, wie eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin erklärte. Auch Italien will am Montag ein Löschflugzeug entsenden.
Die Waldbrände in Portugal haben in diesem Jahr schon mindestens 15 Menschen das Leben gekostet, darunter elf Feuerwehrleute. 50 Häuser wurden völlig zerstört. Mindestens drei Viertel der Landesfläche sind außerdem von extremer Dürre betroffen, im übrigen Land wurde die Trockenheit als schwer eingestuft. Die Waldbrände verwüsteten in diesem Jahr bereits 140.000 Hektar, mehr als im gesamten vergangenen Jahr.
Die Behörden in der nordspanischen Provinz Galicien machten unterdessen Brandstifter für den Ausbruch von mehr als 180 Waldbränden in den vergangenen zwei Tagen verantwortlich. Mehr als 95 Prozent der Brände vom Wochenende seien vorsätzlich gelegt worden, sagte eine Regierungssprecherin. Am Sonntag waren noch mehr als 20 Brände nicht gelöscht.