Zerstörungswut: Die Pub-Posse von Penclawdd
Zerstörter Pub in Wales Angebaggert
So etwas hat man in Penclawdd im Süden von Wales noch nicht erlebt. Ein verwüsteter Pub, zerstört mit einer 8-Tonnen-Baumaschine. Spekulationen über Identität und Motiv des Übeltäters. Und die Nachricht, dass der Mann wohl nicht bestraft wird. So schnell wird in dem 3600-Einwohner-Ort der Gesprächsstoff nicht ausgehen.
"Diese Geschichte ist hier eine große Sache", sagt Richard Youle. Er ist Lokalreporter bei der "South Wales Evening Post", hat von Anfang an über den Fall berichtet und weiß: Auch nach Monaten ist die Aufregung nicht abgeklungen.
Die Geschichte beginnt im Sommer. Offizielle Informationen dazu gibt es kaum, britische Zeitungen erzählen sie so: Am Abend des 25. Juli, einem Samstag, bekommt ein Gast im Pub Royal Oak in Penclawdd keinen Alkohol ausgeschenkt.
"Er kann damit machen, was er will"
Der Mann ist sauer, verlässt die Kneipe, aber nicht für lange. Gegen ein Uhr nachts kehrt er zurück - und verwüstet Lounge und Speisesaal des Pubs mit einem Bagger. Zu dem Zeitpunkt befindet sich niemand in dem Gebäude. Die Polizei nimmt wenig später einen Verdächtigen fest, der auf Kaution freikommt.
Nun teilte die Polizei mit, dem Mann werde nichts zur Last gelegt, er müsse keine Anklage fürchten. Der Grund, wenn man den Zeitungsberichten glauben mag: Es handelt sich um Mark S., Miteigentümer des Hauses. "Letztlich gehört das Gebäude ihm und er kann damit machen, was er will", zitiert der "Telegraph" eine Polizeiquelle. Solange sich kein Betroffener beschwere, könnten die Ermittler nichts machen.
"Es ist irgendwie irreal und verblüffend, dass der Fahrer nicht für den erheblichen Schaden zur Verantwortung gezogen wird", sagt Youle. Dass der nun Freigelassene tatsächlich S. ist, bezeichnet der Reporter als Vermutung. Die Polizei hat die Identität des Festgenommenen nicht öffentlich gemacht, weil der Mann nicht angeklagt wurde.
Wortkarge Beteiligte
Die Ermittler gaben nur ein kurzes Statement ab, wonach ein 45-Jähriger nach dem Vorfall am Royal Oak ohne Anklage entlassen worden sei. Bei diesem einen Satz beließ es die Polizei auch auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.
Allerdings gibt es kaum Anlass, daran zu zweifeln, dass Fischfabrikbesitzer S. im Zentrum der Pub-Posse steht und in der Julinacht den Bagger steuerte. Die Zahl der Personen, die aufgrund der Eigentumsverhältnisse straffrei ausgehen könnten, ist überschaubar. S. gehört dazu.
Zusammen mit Colin M. hat S. der "South Wales Evening Post" zufolge im vergangenen Jahr 60.000 Pfund investiert, um den Royal Oak herzurichten. Es habe in Penclawdd einen Mangel an Pubs gegeben, sagt Lokalreporter Youle. Insofern war die Eröffnung des Pubs ein gutes Geschäft - und dem "Telegraph" zufolge wurden S. und seine Freunde zu Stammgästen.
Von diesem Punkt an ist es nicht mehr weit bis zum Bagger-Angriff. Die Vermutung: Als Miteigentümer und häufiger Gast fühlte sich S. brüskiert, als er nichts mehr zu trinken bekam. Ob das stimmt, kann nur S. beantworten. Der Polizei hat er Auskunft gegeben, über den Inhalt ist nichts bekannt. Anderweitig hat sich S. nicht geäußert, ist nicht zu erreichen. "Alle Beteiligten geben sich sehr wortkarg", sagt Journalist Youle. Auch von Colin M. gibt es keinen Kommentar. Er war nach dem Vorfall nicht von der Bildfläche verschwunden, hatte es aber dabei belassen, Dorfbewohnern zu danken, die bei den Aufräumarbeiten halfen.
Die sind inzwischen abgeschlossen. Nach ein paar Wochen war der 40.000-Pfund-Schaden repariert, im Royal Oak läuft wieder Normalbetrieb. Am Mittwochabend ist Pokerspielen angesagt .
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