Wallert in der Schule: "Schön, wieder hier zu sein" - DER SPIEGEL
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Wallert in der Schule "Schön, wieder hier zu sein"

Der aus der Geiselhaft entlassene Werner Wallert ist mit Klatschen und Erleichterung in seinem Gymnasium empfangen worden. "Über Jolo haben wir gar nicht gesprochen", sagte der Lehrer nach seinen ersten Unterrichtsstunden.
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Göttingen - Auf einem meterhohen Transparent stand "Herzlich willkommen", Lehrerkollegen kamen mit Sonnenblumen, und vor dem Schulhof harrten schon seit den frühen Morgenstunden gut zwei dutzend Journalisten aus. Doch Werner Wallert aus Göttingen hätte seine Rückkehr in den Schulalltag am Montag wohl lieber ganz unspektakulär gestaltet. "Was ist daran berichtenswert, wenn ein deutscher Lehrer zur Schule geht?", fragte der Pädagoge. "Ich hatte ja drei Tage Pause", antwortete er auf Fragen nach den Strapazen der vier Monate langen Geiselhaft.

In beigefarbener Hose, brauner Lederjacke und mit einem schlichten Aktenkoffer in der Hand kam der Lehrer für Englisch und Erdkunde zum Theodor-Heuss-Gymnasium in Göttingen. Er übernehme einen neuen Erdkunde-Leistungskurs in der zwölften Jahrgangsstufe, sagte Wallert. Fragen seiner Schüler nach seiner Geiselhaft auf der philippinischen Insel Jolo werde er selbstverständlich beantworten. "Aber bitte fragen Sie meine Schüler nachher nicht", sagte der 57-Jährige freundlich und ging zum Schuleingang.

Dort hielt ihm der Hausmeister strahlend die Tür auf, und Kollegen nahmen den 57-Jährigen sichtlich bewegt in den Arm. Als wenig später die Klingel zur großen Pause ertönte, drängten viele der rund 660 Schüler des Gymnasiums ins Foyer. Dicht beieinander und zum Teil auf Stühlen stehend, hießen sie den Lehrer mit Klatschen und fröhlichem Pfeifen willkommen. Dann richtete sich Werner Wallert hinter verschlossenen Türen an seine Schüler.

"Er hat sich dafür bedankt, dass wir während seiner Geiselhaft versucht haben, ihn zu unterstützen", berichtete ein Schüler hinterher. "Er möchte den Alltag so schnell wie möglich wieder herstellen", sagte ein anderer. Viele Schüler huschten an den wartenden Kameras vorbei und wollten nichts sagen: "Das war nur für die Schüler bestimmt." Sie sei so froh, dass Werner Wallert wieder da sei, sagte dagegen die 17 Jahre alte Uta offen. "Er liebt seinen Beruf. Er ist der beste Lehrer, den ich je hatte."

Eine Feier mit dem gesamten Kollegium und der Schülerschaft werde es auf Wunsch Wallerts erst dann geben, wenn auch Sohn Marc wieder in Freiheit sei, stand auf einem gelben Plakat am Schuleingang. Doch wie lang es noch dauern wird, bis auch der 27-Jährige aus den Händen der Abu-Sayyaf-Rebellen freikommt, ist derzeit ungewiss. Werner Wallert sagte, auch er habe keine Neuigkeiten von seinem Sohn Marc: "Kraft schöpfe ich aus dem Glauben. Ich habe immer das Handy an."

Als Werner Wallert am Mittag mit Blumensträußen im Arm das Schulgebäude verließ, sah er zwar erschöpft, aber zufrieden aus. "Es war eigentlich nicht schwerer als nach einem längeren Urlaub", sagte er. 22 neue Schüler habe er, berichtete der 57-Jährige. Stolz fügte er hinzu, das Theodor-Heuss-Gymnasium habe als eine von acht Schulen in Deutschland ein Projekt Geografie und Neue Medien an Land gezogen. "Über Jolo haben wir gar nicht gesprochen." Was ihm durch den Kopf gegangen sei, als er das Klassenzimmer betrat, fragte ein Journalist. Wallert: "Schön, wieder hier zu sein!"

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