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SACHBUCH Weggesperrt

• aus DER SPIEGEL 8/2002
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Sie erzählen von einer Stadt im Verborgenen. Einer Stadt mit einer Kirche, einem Krankenhaus, Fitnessräumen, Tätowierstudios - und einer Stadtmauer drum herum. Kalt sei es da, sagen sie, voller Einsamkeit, Lügen und tödlicher Stille. Ein Ort, an dem nur eines zählt: die Zeit, die sie dort noch verbringen müssen. Der Berliner Journalist und Theaterdramaturg Hans-Joachim Neubauer hat den Bewohnern dieser Stadt zugehört, drei Jahre lang besuchte er sie immer wieder. Sie sind Mörder, Räuber, Betrüger und Sexualstraftäter. Sie leben in der Justizvollzugsanstalt Berlin Tegel, Deutschlands größtem Gefängnis. Rund 1700 Insassen aus fast 50 Nationen, unsichtbar hinter Gittern und Stahltüren mitten in der Hauptstadt. »Einschluss« lässt die Bewohner zu Wort kommen, in eindrucksvollen, anonymisierten Protokollen. Sie erzählen von Kindheiten, die keine waren, von Abenteuern, die sie zu denen gemacht haben, die sie hier sind: Wartende meist, Reuige manchmal. Nebenbei versteht es der Autor, die Bedingungen der Haft literarisch zu verdichten. Nicht als Richter, als Beobachter versucht er, Licht hineinzulassen ins Dunkel. Einer gibt ihm zu Protokoll: »Ich möchte mit keinem tauschen, der weniger erlebt hat, aber ich möchte auch keinem raten, das zu erleben, was ich erlebt habe.«

Hans-Joachim Neubauer: »Einschluss. Bericht aus einemGefängnis«. Berlin Verlag, Berlin; 168 Seiten; 18 Euro.

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