Weihnachten: Der Kanzler feiert anders - DER SPIEGEL
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Weihnachten Der Kanzler feiert anders

Skifahren, Zirkus-Besuch oder ganz heimelig vor dem Kamin. Zu Weihnachten wird Berlin fast zur politikerfreien Zone. Aber nicht alle Politiker verraten, wie und wo sie das Weihnachtsfest verbringen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Während die meisten Parlamentarier, Parteichefs und Minister sich in die Weihnachtsferien verabschieden und die Hauptstadt Berlin vorübergehend zur fast politikerfreien Zone wird, stellt Gerhard Schröder (SPD) seinen Christbaum in der Spreemetropole auf.

Er wird Berlin erst nach den Festtagen verlassen. Anfang Januar fliegt er gemeinsam mit Gattin Doris auf Einladung von Präsident Wladimir Putin nach Moskau, um dort ein zweites Mal zu feiern: Der 7. Januar ist der Termin für das orthodoxe Weihnachtsfest.

Während der Regierungschef den Berlinern an den Festtagen erhalten bleibt, müssen sie auf das Staatsoberhaupt verzichten: Bundespräsident Johannes Rau macht Ferien mit Frau, Kindern und Hund in der Schweiz. Während seine Gattin mit den Sprösslingen Ski fährt, will es der 69-Jährige etwas ruhiger angehen lassen und sich mit einem guten Buch zurückziehen.

Andere Politiker zieht es eher in heimatliche Gefilde: die PDS-Vorsitzende Gabriele Zimmer in die Thüringer Berge, SPD-Fraktionschef Peter Struck nach Uelzen in Niedersachsen und den neuen Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) ins Rheinland. Während Altkanzler Helmut Kohl (CDU) im Kreise der Familie in Oggersheim in der Pfalz feiern will, verabschiedet sich die aktuelle CDU-Spitze ins Ausland. Die Parteivorsitzende Angela Merkel verbringt das Fest nach Angaben eines Sprechers "auf der Südseite der Alpen", und Generalsekretär Laurenz Meyer will zum Skifahren nach Lech am Arlberg.

Skifahren steht auch bei FDP-Chef Wolfgang Gerhardt auf dem Programm - allerdings erst nach dem Drei-Königs-Treffen seiner Partei. Bis dahin will er sich mit Tennisspielen in Form bringen. Anstrengend könnte das Fest für den Grünen-Chef Fritz Kuhn werden, der ankündigte, er und seine Kinder wollten mit der Modelleisenbahn spielen. Rastlos zeigt sich auch der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber, der nach der Christmette den Gebirgsschützen einen Besuch abstatten will und am ersten Feiertag einen Zirkus-Besuch plant. Besinnlicher soll es im Hause Friedrich Merz zugehen. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion will sich mit seiner Familie ins Sauerland zurückziehen, vor dem Kamin sitzen und "gute Bücher" lesen.

Bei Arbeitsminister Walter Riester (SPD) will man spontan entscheiden, ob im heimischen Hanau oder in Österreich gefeiert wird. Dort besitzt Riester ein Ferienhaus, das der gelernte Fliesenleger erst im Sommer eigenhändig neu gefliest hatte. Diesmal werden sich die handwerklichen Tätigkeiten des Ministers auf gemeinsames Kochen mit der Ehefrau und auf das Schmücken des Weihnachtsbaums beschränken. Die Kugeln, mit denen der Baum behängt wird, sollen vorwiegend rot sein - wie sich das für einen SPD-Politiker gehört.

Während sich Familie Riester noch nicht über einen weihnachtlichen Speiseplan verständigen konnte, steht bei Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) japanisches Fondue auf dem Programm - eine Kombination aus Brühe, Gemüse und Geflügel. Nach dem ersten BSE-Fall in Deutschland scheint sich Geflügel ohnehin wieder großer Beliebtheit zu erfreuen. So kommt bei Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) der klassische Gänsebraten auf den Tisch.

Aber nicht alle Politiker wollen sich bei ihren Weihnachtsplänen in die Karten schauen lassen. Das Auswärtigen Amt verweist darauf, dass Joschka Fischer (Grüne) sich zu dieser Frage noch nie geäußert habe, und auch der FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle lässt lediglich wissen: "Ich bin weg."

Von Axel Hofmann, dpa