Weihnachtsmarkt auf der Reeperbahn: Dildos statt Duftkerzen - DER SPIEGEL
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Weihnachtsmarkt auf der Reeperbahn Dildos statt Duftkerzen

Weihnachtsmarkt auf St. Pauli - da sucht man Kunst aus dem Erzgebirge und Duftkerzen vergeblich. Auf Hamburgs sündiger Meile, der Reeperbahn, gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal eine - natürlich schlüpfrige - Version des Budenzaubers. Ein Nikolaus mit Peitsche wacht am Eingang.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Es fehlt an nichts: Ein bunt beleuchteter Weihnachtsbaum, geschmückte kleine Buden, an denen man Geschenke für die Lieben kaufen kann, der obligatorische Bratwurststand, an dem ein etwas fülliger Mann den Grill schwenkt. Auf den ersten Blick ist alles ganz normal. Und es ist alles vorhanden, was einen ordentlichen Weihnachtsmarkt ausmacht.

Allerdings braucht der Besucher nicht lange, um zu bemerken, dass es sich auf dem Spielbudenplatz nicht um einen ganz gewöhnlichen Weihnachtsmarkt handelt - immerhin befindet er sich auf dem Hamburger Kiez. Und, ganz so wie es sich für die sündige Meile gehört, geht es hier weniger um das vorweihnachtliche Ambiente als um das Geschäft mit dem Sex. (Be)sinnliche Weihnachten!

Und da auch Anfang Dezember in Hamburg noch herbstlich-warme Temperaturen herrschen, ist es nicht schlimm, dass die tanzenden Engel auf der Bühne nur spärlich bekleidet sind. Wer in diesem Ambiente allerdings auf der Suche nach Tannenbaumschmuck und dicken Wollsocken ist, wird enttäuscht. Stattdessen kann man sich an einem Stand Wasserpfeifen mieten - oder sich tätowieren lassen. Wie es auch der imaginäre Namensgeber des Marktes, Santa Claus, getan hat. Der ziert dickbäuchig und unbekleidet die Buden. Immerhin: Mütze, Sonnenbrille und Stiefel trägt er.

Zu kaufen gibt es in den Buden, die sein Konterfei ziert, eine Variation von Tangas und bunten, gläsernen Dildos. "Der Markt ist ein großer Erfolg", sagt Anja Bayer, 40, die die Kunden bei der richtigen Wahl der Sexspielzeuge aus ihrem Sortiment berät. "Am ersten Wochenende war es hier brechend voll. Die Leute haben viele Geschenke für den Nikolaus gekauft und jetzt beginnt das Weihnachtsgeschäft."

Doch die Kunden waren bei der Wahl dessen, was sich in den Nikolausstiefeln und unter dem Weihnachtsbaum finden sollte, wählerisch: "Beliebter als Dildos waren Massageöle und vibrierende Penisringe."

Entsprechend der Zielgruppe und der Hauptgeschäftszeiten des Umfeldes weichen auch die Öffnungszeiten des Marktes auf dem Spielbudenplatz, in unmittelbarer Nähe des Operettenhauses, von denen klassischer Weihnachtsmärkte ab. Die Buden haben in der Woche bis Mitternacht und am Wochenende bis ein Uhr geöffnet.

Beliebter als die Bühne, auf der noch bis zum 23. Dezember Karaoke- und Kabarett-Abende stattfinden ist die Bühne, die verborgen hinter einer Wand aus Tannenbäumen liegt: Im Herzen des Erotikwaldes. Um sicherzustellen, dass keine Gäste unter 18 Jahren sich in den Wald verirren, wacht ein Weihnachtsmann persönlich über den Eingangsbereich - ausgestattet mit einer Peitsche. Hier wurde in dieser Woche der erste hochauflösende dreidimensionale Pornofilm der Welt gezeigt. An den Buden gibt es Gummipuppen, Penisnudeln und andere originelle Geschenke.

"Wir wollten einen Weihnachtsmarkt schaffen, der hier in Sankt Pauli in das Umfeld passt", sagt Jochen Bohnsack, Platzmanager des Spielbudenplatzes. "Wir wollten uns von den anderen Märkten unterscheiden." Von dem Erfolg sei er positiv überrascht. In nur sechs Wochen war Santa Pauli aus dem Boden gestampft worden. Im nächsten Jahr, mit mehr Vorbereitungszeit, werde der Markt dann umso schöner, hofft Bohnensack.

Auch wenn das trübe Wetter in dieser Woche viele Besucher vom Budenzauber fernhielt, konnte sich das Zelt im Erotikwald über mangelndes Interesse nicht beklagen: "Ich weiß zwar nicht, wie das Geschäft draußen bei den Buden läuft, aber hier drinnen läuft es wirklich gut", sagt die junge Frau am Eingang des Zeltes. Und lächelt vielsagend.