Weltjugendtreff: Papst verurteilt pädophile Priester - DER SPIEGEL
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Weltjugendtreff Papst verurteilt pädophile Priester

Papst Johannes Paul II. hat bei der Abschlussmesse des Weltjugendtreffens in Toronto auch die Skandale um pädophile Priester in der katholischen Kirche angesprochen. Die Übergriffe erfüllen die Kirche mit Traurigkeit und Scham, sagte das Kirchenoberhaupt unter dem Beifall der Menge.
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Toronto - Von 800.000 Gläubigen umjubelt hat das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Sonntag das Weltjugendtreffen in Toronto beendet. "Ihr seid jung, und der Papst ist alt und ein bisschen müde", rief er den Jugendlichen zu, die trotz eines anfänglichen Unwetters zu einer Messe unter freiem Himmel gekommen waren. "Aber auch der alte Papst identifiziert sich noch ganz mit euren Hoffnungen und Erwartungen."

Karol Wojtyla brachte in seiner Predigt auch die Skandale um pädophile Priester in der katholischen Kirche zur Sprache. "Der Schaden, den einige Priester den Jungen und den Verletzlichen angetan haben, erfüllt uns mit tiefer Traurigkeit und Scham", sagte er unter Beifall. Die jungen Gläubigen sollen sich nicht von den Sünden und Verfehlungen einiger Mitglieder der Kirche entmutigen lassen.

Es handle sich nur um eine winzige Minderheit, der nicht erlaubt werden dürfe, das Ansehen einer Kirche mit einer Milliarde Gläubigen zu beschädigen, die in der Welt viel Gutes tue, betonte der Papst. Allerdings verwendete er nicht ausdrücklich den Begriff des sexuellen Kindesmissbrauchs und ging auch nicht auf die jüngsten Skandale in Deutschland ein. In der Vergangenheit hatte das Kirchenoberhaupt Pädophilie mehrfach als Verbrecher gegeißelt und hartes Durchgreifen gegen schuldige Priester verlangt.

Auch die Abschlussmesse des Weltjugendtreffens war von der Begeisterung der Jugendlichen gekennzeichnet. Eindringlich mahnte Johannes Paul II., trotz Gewalt und großer Probleme in der Welt dürfe die Jugend ihre Hoffnungen niemals verlieren. Keine Schwierigkeiten und keine Furcht sei groß genug, um die ewige Hoffnung in den Herzen der Jugend zu ersticken.

Johannes Paul II., der an der Parkinson-Krankheit leidet, wirkte entspannt und genoss den Zuspruch der Jugend. Im Unterschied zu Veranstaltungen in der Vergangenheit sprach er mit vergleichsweise klarer, fester Stimme. Allerdings machte er zum Ende der Messe einen erschöpften und müden Eindruck.

Zuvor hatte am Samstagabend über eine halbe Million Jugendliche eine gemeinsame Gebetswache mit dem Papst gehalten. Viele verbrachten trotz heftiger Gewitterregen die Nacht im Downsview Park in Toronto, um anschließend mit dem Papst die Abschlussmesse zu feiern. Während der Messe riss der Himmel auf und die Sonne schien.

Bei der nächtlichen Gebetswache, die durch Hunderttausende Kerzen erhellt wurde, rief der Papst die Jugend der Welt in Erinnerung an die Terroranschläge vom 11. September auf, eine neue Zivilisation des Friedens und der Freiheit zu errichten. "Ihr seid die Männer und Frauen von morgen! Die Zukunft liegt in euren Händen."

Dabei mahnte er die jungen Christen auch, die religiöse Dimension des Lebens durch die Einflüsse der modernen Welt nicht verdrängen zu lassen. Im heutigen technologischen Zeitalter dürfen nicht nur noch die Kriterien der Produktivität und der Effizienz gelten und alle spirituellen und ethischen Werte in den Hintergrund gerückt werden.

"Die Frage ist dramatisch: Auf welche Grundlage sollen wir die neue historische Ära bauen, die aus den großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts hervorgeht?" Mit Blick auf die Verbrechen von Nazis und Kommunisten meinte der Papst, die Erfahrung des vergangenen Jahrhunderts zeige, wohin es führe, eine Welt ohne Gott errichten zu wollen.

Auf Deutsch gab das 82-jährige Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche offiziell bekannt, dass das nächste Weltjugendtreffen im Jahr 2005 in Köln stattfindet. "Liebe Jugendliche deutscher Sprache! An euch liegt es ganz besonders, im Blick auf das Treffen in Köln den Geist des Weltjugendtags lebendig zu erhalten. Baut mit an einer Zivilisation der Liebe und der Gerechtigkeit! Seid selbst ein leuchtendes Vorbild."

Am Montag reist der Papst nach Guatemala weiter. Dort wird er einen spanischen Missionar des 17. Jahrhunderts heilig sprechen.