Wendehals Rühmann ein Ulbricht-Berater?
Frankfurt am Main - Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, belegen bislang verschlossene beziehungsweise unbeachtet gebliebene Dokumente im Bundesarchiv und in der Gauck-Behörde Rühmanns Verstrickung in politische Vorgänge in der Zeit vor Gründung der DDR.
Ulbricht habe den Auftrag gehabt, für die 20 Berliner Bezirke so schnell wie möglich funktionierende antifaschistisch-demokratische Bezirksverwaltungen zu bilden, in denen die Schlüsselpositionen in den Händen der Kommunisten liegen sollten. Als deren Berater soll auch Rühmann fungiert haben.
Wie das Blatt ferner berichtet, äußerte sich Ulbricht wohlwollend über den damals 44-jährigen Schauspieler: "Zur Mitarbeit in der Abteilung hat sich Heinz Rühmann, einer der bekanntesten Filmschauspieler und Regisseure, bereit erklärt. Er hat in keinem politischen Film für die Nazis mitgewirkt. Er hat Genossen bei der illegalen Arbeit gegen das Hitlerregime geholfen. Er ist sowjetfreundlich gesinnt."
Tatsächlich hatte Rühmann jedoch während der Nazi-Herrschaft engen Kontakt zum Reichspropaganda-Minister Joseph Goebbels und galt als einer von Hitlers Lieblingsschauspielern. Im biografischen Porträt des Munzinger Archiv heißt es über das Leben des Schauspielers Mitte der 40er Jahre Krieg lediglich: "Nach Kriegsende nahm Rühmann seine Theaterarbeit wieder auf."