Weniger rein - DER SPIEGEL
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Tourismus Weniger rein

Dollarschwäche, Ausländerfeindlichkeit und ein altmodisches Image: Das Reiseland Bundesrepublik hat an Attraktivität verloren.
• aus DER SPIEGEL 10/1995
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So leicht ist ein Schwarzwälder Geschäftsmann nicht kleinzukriegen: »Wenn die Amis nicht mehr zu uns kommen, gehen wir zu denen«, sagt Karl-Heinz Fierlei, Kuckucksuhren-Hersteller im badischen Schonach.

Die von ihm geführte Firma »Anton Schneider Söhne« exportiert seit einiger Zeit ihre Holz-Uhren in die Vereinigten Staaten. Notgedrungen: Es kommen weniger ausländische Touristen nach Deutschland, die das Traditions-Souvenir kaufen könnten.

Deutschland 1995: Immer mehr wollen raus, immer weniger wollen rein. Während die Bundesbürger dieses Jahr wohl wieder Reiseweltmeister werden, verlieren Neuschwanstein, die Loreley, Rothenburg ob der Tauber und die Rüdesheimer Drosselgasse an Anziehungskraft. Seit 1990 ist die Zahl ausländischer Besucher um 16 Prozent zurückgegangen. Auch das vergangene Jahr, so beklagen deutsche Veranstalter in dieser Woche auf der »Internationalen Tourismus-Börse« (ITB) in Berlin, brachte ein Minus von zwei Prozent.

Besonders schmerzlich für die deutschen Ferienregionen ist das Ausbleiben von Gästen aus den Nachbarländern. Aus Italien kamen 1994 rund 25 Prozent, aus Belgien gut 20 Prozent weniger Touristen als im Jahr zuvor. Die Zahl der Reisenden aus den Niederlanden, wo traditionell die meisten Besucher herkommen, sank um 16 Prozent. Holländische Wohnwagengespanne mit ihren gelben Kennzeichen sind zwar weiterhin auf deutschen Straßen unterwegs, aber häufig nur noch im Transit.

Die Misere der Branche begann mit dem Golfkrieg, der weltweit die Reiselust hemmte. Dann bremste die internationale Rezession das Fernweh.

In der Bundesrepublik kamen noch andere Faktoren hinzu: *___Mit dem Abzug amerikanischer Soldaten blieben auch ____Besuche von deren Verwandten aus. *___Die Stärke der Mark bewirkte, daß Italiener heute für ____die gleiche Leistung fast 40 Prozent mehr zahlen als ____vor drei Jahren; der schwache Dollar hält Amerikaner ____fern. *___Berichte über ausländerfeindliche Straftaten von ____Rechtsradikalen nährten, vor allem in den USA, die ____Furcht, in Deutschland reise man gefährlich.

Insgesamt ging die Zahl der Gäste aus den Vereinigten Staaten seit 1990 um 21 Prozent zurück - und Besserung ist nicht in Sicht. Auf längere Urlaubsreisen zu gehen ist in den USA verpönt, gerade in Zeiten wirtschaftlicher Erholung gilt es bei Aufsteigern unter 40 Jahren als schick, seinen Erfolg mit pausenloser Arbeit zu dokumentieren.

Der Leiter des New Yorker Büros der Deutschen Zentrale für Tourismus, Knut Hänschke, will US-Bürger nun mit einem Kniff zum Sightseeing nach Germany locken: Hänschke möchte den Hamburger zum internationalen Gradmesser für Lebenshaltungskosten aufwerten - die Leibspeise der US-Amerikaner gebe es »in Deutschland am billigsten«.

Hänschkes Firma, die DZT, trägt eine Teilschuld am Umsatzrückgang der Branche. Mit 46 Millionen Mark Budget aus der Staatskasse werkelten die Deutschland-Werber jahrelang in Behördenmanier mit uralten Werbekonzepten ("Germany ist wunderbar") vor sich hin, schickten Bollenhut und Bierkrug um die Welt und setzten ausschließlich auf den Begriff »Romantik«.

Der Frankfurter DZT-Zentrale mangelte es an Ideen. »Deutschland«, moniert der CDU-Tourismusexperte Rolf Olderog, »verkauft sich zu schlecht.«

Nun soll mit dem ehemaligen Hapag-Lloyd-Chef Hans Jakob Kruse ein Mann mit Industrie-Erfahrung die Deutschland-Werbung modernisieren. Gemeinsam mit seiner Marketing-Spezialistin Eva-Marie Ellmauer verbannte Kruse erst mal das Brandenburger Tor aus dem DZT-Logo und beauftragte eine Werbeagentur mit der Entwicklung eines Corporate-Identity-Konzepts.

Mit einer spannenden »Mischung aus Kultur und Geschichte, Landschaft und Lifestyle, High-Tech und Tradition« (Ellmauer) will die DZT nunmehr werben. Nicht mehr nur Goethe, sondern auch Graß, nicht mehr nur Dürer, sondern auch Beuys sollen künftig deutsche Kultur repräsentieren. Und in einem Anzeigenmotiv darf neuerdings gar gezeigt werden, was DZT-Leute bislang für viel zu schmuddelig hielten: die Hamburger Reeperbahn. Y

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Deutsche Reisen ins Ausland - Reisen v. Ausländern nach Deutschland

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