Grilled Nation: Falscher Chicken-King bei der Uno
Werbe-Gag Falscher Chicken-King foppt die Uno
New York - Trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen ist ein Schauspieler am Donnerstag durch die Kontrollen des Uno-Gebäudes in New York gelangt und hat frech mit dem Präsidenten der Vollversammlung, Ali Treki, für ein Foto posiert.
Der Darsteller Robert Thompson trug Brille, Schnauz- und Kinnbart, sowie einen weißen zweireihigen Anzug und eine schwarze Fliege mit langen Schleifenenden. Das war auch die Lieblingskleidung von Harland Sanders, dem Gründer von Kentucky Fried Chicken (KFC). Der echte "Colonel Sanders" starb jedoch bereits vor 29 Jahren.
Zerknirscht gaben Uno-Mitarbeiter am Montag die Sicherheitslücke zu: Ein Wachmann hatte den ungebetenen Gast demnach durch die Sicherheitskontrollen in den Teil des Gebäudes geleitet, der eigentlich nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Ali Treki, der gerade die Staatsoberhäupter für die Generalversammlung begrüßte, reichte dem Grillhähnchen-Werber freundlich die Hand und ließ sich zu einem Foto überreden.
"Ein Treffen würde ich das nicht nennen", redete sich Trekis Sprecher, Jean-Victor Nkolo später heraus, "es gab ein kurzes Zusammentreffen mit dem Präsidenten der Generalversammlung". Treki habe dem Schauspieler die Hand geschüttelt, weil der Präsident "ein höflicher Mann" sei.
Kameraleute der Uno lösten schließlich Alarm aus, als sich der Sanders-Darsteller vor ihren Linsen aufbaute und über die "Grilled Nation" schwadronierte - eine neue Werbekampagne von KFC. Sicherheitsleute brachten den Schauspieler daraufhin aus dem Gebäude.
"Das hätte nicht passieren dürfen - das muss ich wirklich betonen", sagte Michele Montas, der Sprecher von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, der kanadischen Nachrichtenagentur Canwest News Service. Die Sicherheitsbeamten versuchten nun herauszufinden, wie der Fehler passieren konnte.
KFC hatte den Sanders-Doppelgänger in das Uno-Gebäude geschickt. Kurz zuvor hatte das Unternehmen bereits einen Brief an Ban Ki Moon geschrieben . Darin forderte KFC-Präsident Roger Eaton den Uno-Generalsekretär auf, die von dem Hähnchen-Konzern erfundene "Grilled Nation" als Staat anzuerkennen und den Liebhabern von gegrillten Hühnerschenkeln einen Sitz bei den Vereinten Nationen zuzugestehen - "im Namen der köstlichen Diplomatie".
Bei der Uno findet man die Geschichte gar nicht lustig. Die Staatengemeinde dürfe nicht für solche kommerziellen Zwecke missbraucht werden, sagte Montas. Schon der Brief sei für die Organisation "absolut nichtig" gewesen: "Er hat für uns überhaupt keine Bedeutung."
Mit dem dreisten Einschleichen in die ehrwürdigen Hallen ging die Fast-Food-Kette dann wohl etwas zu weit. Die Rechtsabteilung der Vereinten Nationen prüfe, ob sie gegen die Firma vorgehen werde.