Werner Wallert frei Am Dienstag wieder zu Hause?
Manila/Jolo/Berlin - Der 57-Jährige wurde am Sonntag gemeinsam mit vier weiblichen Gefangenen auf freien Fuß gesetzt. Nach Angaben aus Vermittlerkreisen wurde für jede der fünf Geiseln eine Million US-Dollar (rund 2,17 Millionen Mark) Lösegeld gezahlt. Kurz nach ihrer Freilassung wurden die Fünf in die zentralphilippinische Stadt Cebu geflogen. Von dort aus sollen sie philippinischen Medienberichten zufolge an diesem Montag in die libysche Hauptstadt Tripolis weiterreisen. Da Libyen eine Schlüsselrolle in den Vermittlungen spielt, sollen sie dort von Revolutionsführer Oberst Muammar el Gaddafi begrüßt werden.
Wallert trifft voraussichtlich im Laufe des Dienstags in Deutschland ein. Von Tripolis aus soll er Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit einer Bundeswehrmaschine nach Hannover-Langenhafen geflogen werden. Noch nicht abschließend geklärt sei, ob Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) nach Tripolis fliegen werde, um Wallert abzuholen, hieß es. In Hannover soll voraussichtlich Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) den Göttinger empfangen.
Die Kidnapper von der militanten Moslemgruppe Abu Sayyaf hatten am Sonntag zugesagt, die letzten acht Geiseln, darunter die Partner von Strydom und Wendling, bis zum 1. September ebenfalls freizulassen. Neben den beiden Männern und Marc Wallert, 27, sind noch zwei Finnen, zwei französische Fernsehreporter und ein Philippiner gefangen.
Werner Wallert nahm seine Freilassung mit gemischten Gefühlen auf: "Man soll nicht erwarten, dass ich glücklich bin", sagte er mit Blick auf seinen Sohn. "Ich hoffe, dass mein Sohn bald folgt." Seine Frau Renate war am 17. Juli auf freien Fuß gesetzt worden. Auch Monique Strydom bedauerte, dass sie ihren Mann zurücklassen musste: "Ich freue mich wirklich, frei zu sein. Aber ich mache mir Sorgen um meinem Mann. Sie sagten uns, er soll in den nächsten Tagen folgen." Sonia Wendling sagte, sie haben ihren Freund Stephane Loisy nur "schweren Herzens" im Dschungellager auf Jolo verlassen.
Auf einem Video vom Abschied ist Werner Wallert zu sehen, wie er mit Gewalt von seinem Sohn weggerissen wird. Die Frauen brachen in Tränen aus. Dennoch umarmten einige der Freigelassenen kurz vor ihrem Aufbruch nach Angaben eines Mittelmanns der Regierung den Anführer der Kidnapper, Galib Andang alias Commander Robot.
Wallerts ältester Sohn nahm die erlösende Nachricht mit riesiger Freude auf: "Ich werde die allererste Möglichkeit nutzen, ihn zu treffen", sagte der 30-jährige Dirk Wallert am Sonntag in einer Extraausgabe des "Göttinger Tageblatts". Persönlich gesprochen habe er noch nicht mit seinem Vater.
Die Ereignisse der letzten 24 Stunden seien nicht vorhersehbar gewesen. "Ich war ähnlich überrascht wie an dem Tag, als meine Mutter freigelassen wurde", sagte der Unternehmer der Zeitung. Als erstes habe er zum Telefon gegriffen, um seine Mutter Renate zu informieren. Diese war am 17. Juli freigekommen. Sie hält sich in der Nähe von Göttingen auf. Bisher war sie aus Angst vor dem Medienrummel nicht in ihr Haus zurückgekehrt.
Schröder und Fischer erleichtert
Bundeskanzler Gerhard Schröder nahm die Freilassung Werner Wallerts und der vier anderen Geiseln "mit großer Freude" auf. "Ich hoffe, dass sie sich jetzt von den erlittenen Strapazen erholen und die bedrückenden Erlebnisse verarbeiten können", ließ Schröder in Berlin erklären. Seine Sorge gelte den noch immer festgehaltenen Geiseln auf Jolo. "Ich habe die Hoffnung, dass auch sie nun ohne weitere Verzögerung freikommen und dass die philippinische Regierung und der libysche Vermittler, die maßgeblich zu den Verhandlungen beigetragen haben, ihre Arbeit erfolgreich fortsetzen."
Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) reagierte mit Genugtuung auf die Freilassung Wallerts. "Ich bin erleichtert darüber, dass Werner Wallert nach viermonatiger bitterer Geiselhaft jetzt freigelassen wurde", hieß es in einer Erklärung. Fischer dankte den Vermittlern wie auch Libyen.