Wetter: Arktische Polarluft über Deutschland – Hochwasserschutzwände festgefroren - DER SPIEGEL
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Winter extrem Arktische Polarluft über Deutschland – Hochwasserschutzwände festgefroren

Es bleibt eisig kalt: In Berlin ist ein Mann nach dem Eisbaden gestorben. In Köln kann der Hochwasserschutz nicht abgebaut werden. Und laut Bahn sind rund 95 Prozent des Streckennetzes wieder befahrbar.
Eckernförde: Eiszapfen haben sich an einem Steg im Hafen gebildet
Eckernförde: Eiszapfen haben sich an einem Steg im Hafen gebildet

Eckernförde: Eiszapfen haben sich an einem Steg im Hafen gebildet

Foto: Frank Molter / dpa
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Arktische Polarluft macht weiter vielen Menschen in Deutschland zu schaffen. Während es für Autofahrer in der Nacht zum Donnerstag keine allzu großen Behinderungen mehr auf den Straßen gab, mussten in Jena rund 6500 Haushalte ohne Heizung und warmes Wasser auskommen. Die Stadt in Thüringen hatte den Katastrophenfall ausgerufen, nachdem eine Fernwärmeleitung gerissen war.

Seit Donnerstagfrüh läuft wieder alles – den Stadtwerken zufolge konnte die Reparatur in der Nacht erfolgreich abgeschlossen werden. Bei klirrender Kälte gab es zuletzt auch in Nürnberg und Braunschweig Probleme mit der Fernwärmeversorgung.

In Berlin starb ein 43 Jahre alter Mann, der am Mittwoch nach einem Eisbad in einem Teich im Treptower Park vermisst worden war. Erst zweieinhalb Stunden später fanden Rettungstaucher den Vermissten – er wurde reanimiert und kam stark unterkühlt in ein Krankenhaus. Die Feuerwehr warnte davor, Eisflächen zu betreten und appellierte an die Menschen, nicht leichtsinnig zu sein. »Das Baden im Eis ist lebensgefährlich«, sagte ein Sprecher. Eltern sollten ihre Kinder über die Gefahren informieren.

In Langenfeld in NRW rettete die Feuerwehr zwei zuvor in einen zugefrorenen See eingebrochene junge Männer. Die beiden 19-Jährigen seien bei Eintreffen der Einsatzkräfte bereits ans Ufer gelangt, teilte die Feuerwehr über den Einsatz vom späten Mittwochabend mit. Jedoch schaffte es nur einer, die steile Böschung zu den Rettern hochzuklettern. Der andere blieb entkräftet am Ufer des Sees liegen.

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Glück im Unglück hatte ein vermisster 49-Jähriger im Landkreis Rostock. Der Polizei zufolge fanden ihn Einsatzkräfte kurz vor Mitternacht bei minus sieben Grad. Der Gesuchte hatte sich am Mittwoch tief im Wald verirrt und war völlig unterkühlt, sodass er nach Einschätzung eines Notarztes wohl nicht die ganze Nacht überlebt hätte.

Die Kombination von Hochwasser und eisiger Kälte hat ungewöhnliche Folgen in Köln: Die Schutzwände in der Altstadt und im Stadtteil Porz können nicht abgebaut werden, weil sie festgefroren sind. Wie der Stadtentwässerungsbetrieb mitteilte, wurden die Arbeiten auf kommende Woche verlegt. Die Wasserstände am gesamten Rhein bis Köln fallen zurzeit schnell. In der Stadt waren es laut Entwässerungsbetrieb am Vormittag 3 bis 4 Zentimeter pro Stunde.

Die Deutsche Bahn (DB) meldete zum Start in den Tag, dass der Kälteeinbruch mit Temperaturen von örtlich bis zu minus 20 Grad weiterhin den Fern- und Nahverkehr beeinträchtige. »Durch die extreme Witterung werden Fahrzeuge und Teile der Infrastruktur wie Weichen und Oberleitungen im besonderen Maße beansprucht.« Der Fernverkehr laufe auf vielen betroffenen Strecken weiter an.

»Rund 95 Prozent des Streckennetzes sind wieder befahrbar – allerdings häufig mit Einschränkungen und teils hohen Verspätungen«, teilte der bundeseigene Konzern mit. »Auf den Ost-West-Verbindungen gibt es ein eingeschränktes, aber stabiles Angebot«, hieß es. Auch zwischen Nord und Süd rollten wieder mehr Züge.

Dauerfrost in Deutschland

In Kassel (Hessen) war wegen Schneelasten auf den Dächern der Hauptbahnhof weiterhin für den Zugverkehr gesperrt. Die Aufräumarbeiten dauerten an, teilte eine Sprecherin des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) am Morgen mit. Das Freiräumen der Dächer sei schwierig, weil diese alt und nicht betretbar seien.

In Bad Salzuflen (Nordrhein-Westfalen) stürzte das Dach einer Industriehalle unter der Schneelast teilweise ein. Es begrub am Mittwochabend zwei Lastwagen-Anhänger unter sich, wie die Feuerwehr mitteilte. Die Halle war menschenleer, verletzt wurde niemand.

Im Straßenverkehr beruhigte sich die Lage. Im Raum Bielefeld, wo sich Autos und Lastwagen auf der A2 in den vergangenen Nächten zum Teil extrem gestaut hatten, floss der Verkehr weitgehend problemlos. »Es ist entspannter als in den Nächten zuvor«, sagte ein Polizeisprecher. Bei Braunschweig parkten auf der Autobahn laut der dortigen Polizei weiterhin viele Lastwagen auf dem Standstreifen, weil Rastplätze voll waren. Unfälle habe es aber nicht gegeben.

Es bleibt frostig in Deutschland. »Am Rande eines Hochs über Nordeuropa wird mit einer nordöstlichen Strömung sehr kalte arktische Polarluft nach Deutschland gelenkt«, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. »Am Alpenrand sorgt ein Italientief anfangs noch für Schneefall.«

Tagsüber gebe es am Donnerstag weiterhin verbreitet leichten bis mäßigen Dauerfrost zwischen minus 1 und minus 10 Grad, hieß es. In der Nacht zum Freitag sei verbreitet mit mäßigem bis strengen Frost zwischen minus 8 und minus 17 Grad zu rechnen – im zentralen und östlichen Mittelgebirgsraum sowie in Teilen Süddeutschlands bei Aufklaren sogar um oder etwas unter minus 20 Grad.

wit/dpa