Wetter Glatteis, Stürze, Rutschgefahr
Klirrende Kälte: Europa in Eis und Schnee
Hamburg - Der ADAC hatte angesichts des Tauwetters bei frostigem Boden vor Blitzeis und Eisregen gewarnt. Tatsächlich gerieten in Berlin am Dienstag viele Menschen ins Rutschen - die Krankenhäuser verzeichneten eine Zunahme von Patienten mit Sturzverletzungen und Knochenbrüchen. In der Nacht zum Mittwoch besserte sich die Wettersituation in der Hauptstadt jedoch zusehends. Trotz teilweise glatter Nebenstraßen gab es hier und in Brandenburg am frühen Mittwochmorgen nur wenige glättebedingte Unfälle.
Auch in Niedersachsen blieb das gefürchtete Blitzeis weitgehend aus. Die Temperaturen lagen in der Nacht zum Mittwoch zumeist im Plusbereich. Die Autofahrer hätten sich auf die Straßenverhältnisse eingestellt und führen entsprechend vorsichtig, hieß es übereinstimmend von mehreren Polizeisprechern.
In Sachsen war die Lage trotz erneuten Schneefalls in Teilen des Landes am Mittwochmorgen entspannt. "Es gibt ein paar Blechschäden, Autos rutschten in Straßengräben", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Westsachsen. Auf der B92 bei Raun blockierte ein Lastwagen die Fahrbahn, ebenso am Schkeuditzer Kreuz auf der A9 in Richtung Nürnberg. "Die meisten Autofahrer haben sich inzwischen aber an Schnee und Glätte gewöhnt", sagte eine Sprecherin in Leipzig.
Ein Toter bei Karambolage auf A2
Dennoch bleiben die Straßen gefährlich: Auf der Autobahn 2 bei Dortmund ereignete sich am Mittwochmorgen ein schweren Unfall mit drei Fahrzeugen. Laut Angaben der Polizei starb ein Mensch an der Unfallstelle. Die näheren Umstände waren zunächst unklar. Die Autobahn 2 in Fahrtrichtung Oberhausen wurde gesperrt.
Blitzeis auf der Bundesstraße 199 führte nahe Schafflund im Kreis Schleswig-Flensburg am frühen Mittwochmorgen zu einer Unfallserie. Nach Polizeiangaben war ein Kleintransporter in einem Waldstück von der Fahrbahn abgekommen und hatte sich überschlagen. Beide Insassen blieben unverletzt. Ein weiterer Kleintransporter kam von der Straße ab, als der Fahrer versuchte, dem Unfall auszuweichen. Der Transporter prallte gegen einen Baum, der Fahrer wurde eingeklemmt. Anschließend geriet ein drittes Auto in den Unfall, dessen Fahrer blieb unverletzt.
Im übrigen Schleswig-Holstein blieb das befürchtete Blitzeis weitgehend aus, da die Temperaturen in der Nacht zu Mittwoch überwiegend im Plusbereich lagen. Nachdem Schneematsch und Schneeglätte am Dienstag für mehrere schwere Verkehrsunfälle gesorgt hatten, meldete nur die Polizei in Ratzeburg und Heide wenige kleinere Unfälle mit Blechschäden.
Lkw in Not
Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es am frühen Mittwochmorgen auf der Autobahn 8: Bei Heimsheim (Enzkreis) geriet ein Lastwagen auf schneeglatter Fahrbahn ins Schleudern und durchbrach die Mittelleitplanke. Ein Autofahrer wurde schwer verletzt, der Fahrer des Lastwagens zog sich leichte Verletzungen zu, wie die Polizei in Ludwigsburg berichtete. Die Autobahn musste während der Bergungsarbeiten in beiden Richtungen komplett gesperrt werden.
Massive Behinderungen gab es in der Schweiz: Hier gab es auf den Nord-Süd-Transitrouten über den Gotthard-Pass und den San Bernardino für Lastwagen gar kein Durchkommen mehr, wie es in der Truckinfo des Straßenbundesamts hieß. Die Gotthardautobahn wurde auf der Südseite zwischen Bellinzona und Airolo wegen Glatteises in beiden Richtungen für Lastwagen gesperrt. Wegen Schneefalls wurde auch die San-Bernardino-Route zwischen Thusis und Bellinzona in beiden Richtungen für den Schwerverkehr gesperrt.
Ende des Chaos am Frankfurter Flughafen
Am Frankfurter Flughafen normalisierte sich der Betrieb nach dem Wetterchaos wieder. Allerdings fallen auch am Mittwoch wieder Flüge aus. Laut Angaben eines Flughafen-Sprechers sind vier für den Morgen geplante Starts nach Hamburg, München, New York und Mailand abgesagt worden.
Heftiger Schneefall hatte Deutschlands größten Airport in der Nacht zum Dienstag ins Chaos gestürzt. 189 Starts und Landungen fielen bis Mitternacht aus. Der Wintereinbruch sorgte für eine vierstündige Sperrung aller drei Pisten. 8000 Fluggäste saßen über Nacht fest, die meisten von ihnen wurden in Hotels untergebracht.
In der Nacht zum Mittwoch warteten nach Angaben des Sprechers keine Flugreisenden mehr in den Hotels auf ihren Abflug. Auch die Feldbetten, auf denen Hunderte Fluggäste im Airport übernachtet hatten, wurden wieder abgebaut.
Deutsche Bahn lässt Züge ausfallen
Schwere Behinderungen drohen im Bahnverkehr: Ausgerechnet zu Weihnachten soll auf der ICE-Strecke Berlin-Leipzig-Nürnberg-München jeder zweite Zug ausfallen. Wie die Deutsche Bahn am Dienstag mitteilte, werden die ICE-Schnellzüge auf dieser Verbindung vom 23. bis 27. Dezember nur im Zwei-Stunden-Takt statt wie üblich jede Stunde fahren.
Zur Begründung hieß es, die Züge müssten wegen des Winterwetters besonders intensiv gewartet werden. Einzelheiten konnte ein Sprecher auf Anfrage nicht nennen. Es handele sich aber nicht um einen technischen Defekt. Das Unternehmen bemühe sich, möglichst viele Ersatzzüge bereitzustellen, sagte der Bahnsprecher.
Chancen auf weiße Weihnachten steigen
Glaubt man den Wetterexperten, ist der Traum von der weißen Weihnacht noch lange nicht ausgeträumt - zumindest in einigen Teilen Deutschlands.
Heute wird es vor allem in der Südosthälfte der Republik schneien, teilte der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mit. Im übrigen Deutschland gibt es Aufheiterungen und vereinzelt Schnee oder Regen. Die Temperaturen schwanken zwischen minus ein und plus drei Grad. In der Nacht zu Heiligabend fällt bei plus ein bis minus sechs Grad nur noch vereinzelt Niederschlag.
Morgen bleibt es im Osten bei örtlichem Sonnenschein meist trocken. Nach Westen hin kommt Schneefall, Schneeregen oder Regen auf, wobei mit Glatteis zu rechnen ist. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen minus zwei und plus vier Grad.