Wetterextreme Land weiß, Land unter
Hamburg - Über 24 Stunden ununterbrochener Schneefall, so etwas hat der Norden Deutschlands lange nicht mehr erlebt. Im Süden der Republik stiegen derweil die Flüsse, weil die Schneeschmelze längst begonnen hat - verkehrte Wetter-Welt. Extrem geht es dabei nicht nur in Deutschland zu: Unwetter mit heftigen Regenfällen und Sturmböen mit über Einhundert Stundenkilometer Windgeschwindigkeiten führten in Teilen Frankreichs zu Hochwasser und Überschwemmungen, ließen in mehreren Regionen die Stromversorgung zusammenbrechen. Allein im französischen Teil des Baskenland sind derzeit rund 32.000 Haushalte ohne Strom.
Derweil häufen sich in Deutschland die Unfallmeldungen: Zusammengezählt hat die bisher niemand. Über 400 Mal soll es in den letzten 24 Stunden im Norden "gekracht" haben.
Einen wahren Horror-Unfall erlebte der Fahrer eines
Sattelzugs auf der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal. Er geriet ins Schleudern und durchbrach die Leitplanke, so dass das Führerhaus nach Angaben der Autobahnpolizei gut zwei Meter im Freien über der Brücke hing. Der Fahrer konnte sich unverletzt in 50 Meter Höhe über dem Kanal aus seinem Führerhaus befreien.
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Beschränkten sich die meisten Unfälle auf Blech- und leichte Personenschäden, gibt es mittlerweile auch erste Opfer zu beklagen. Bei einem schweren Verkehrsunfall auf vereister Straße, an dem sieben Autos beteiligt waren, kam in der Nacht zum Samstag in Baden-Württemberg ein neunmonatiges Baby ums Leben. Neun Menschen wurden dabei schwer verletzt.
Auch ein erstes Hochwasser-Opfer gab es zu beklagen. Im mittelfränkischen Zirndorf ertrank ein 75 Jahre alter Rentner in der Hochwasser führenden Bibert. Der Mann habe am Freitag
mit seinem Fahrrad einen gesperrten Fuß- und Radweg befahren und sei von den Fluten mitgerissen worden, teilte die Polizei am Samstag mit. Eine groß angelegte Suchaktion verlief zunächst ergebnislos. Später sei der Mann tot aus der Bibert geborgen worden.
Aussichten: Entspannung in Sicht
Die Streu- und Räumungsdienste im Norden der Republik schieben weiter Sonderschichten. So leistete die Stadtreinigung Hamburg 24 Stunden Dauereinsatz mit 1200 Einsatzkräften und 170 Fahrzeugen. "Wir fahren schon unseren vierten Durchgang, da der Schnee schneller fällt, als das Streusalz wirken kann", sagte am frühen Samstagmorgen Andree Möller von der Stadtreinigung Hamburg - inzwischen sind da noch einige zugekommen.
Alle Hände voll zu tun haben auch die Nothelfer im Süden der Republik. Doch des einen Leid, des anderen Freud: Ihnen kommt der erneute Temperaturabfall, der sich im Laufe des Samstag zunehmend auch im Süden bemerkbar machte, zugute. So entspannte sich in den Überschwemmungsgebieten Bayerns, Thüringens und Sachsens die Lage bei und dank der sinkenden Temperaturen. Einige Straßen sind aber weiterhin unpassierbar.
So meldet das bayrische Landesamt für Wasserwirtschaft aus einigen Regionen weiterhin Hochwasser der höchsten Meldestufe 4. Die stärksten Überschwemmungen gibt es im Donaugebiet an der Paar, und an der Wörnitz und Abens herrscht Hochwasser der Meldestufe 3. Die Donau
ist bei Donauwörth über die Ufer getreten.
In Kelheim verschärft sich die Lage: Dort werde im Laufe des Tages die Sechs-Meter-Marke und damit Meldestufe 4 überschritten. Überschwemmungen der höchsten Meldestufe gab es noch am Pegel Neumühle/Rednitz.
In Rheinland-Pfalz zeichnete sich am Samstag dagegen eine Beruhigung der Hochwassersituation ab.
Gute Nachrichten haben die Meteorologen auch für die Menschen im Norden der Republik: Der "Schneespuk" kurz vor Frühlingsanfang sollte bald vorüber gehen. Über Skandinavien verstärke sich Hoch "Ingo" und dränge das Schneefallgebiet der Tiefs "Bente" und "Christine" nach Süden ab. "Ab Sonntag ist der Spuk weitgehend vorbei, höchstens am Alpenrand ist noch nennenswerter Neuschnee zu erwarten", sagte Michael Beisenherz vom Wetterdienst Meteomedia am Samstag.
Der Sonntag startet von Schleswig-Holstein bis zum Emsland sowie entlang des Rheins teils schon sonnig, sonst meist noch bewölkt. Nur im Alpenvorland sowie im Osten ist noch Schneefall angesagt. Tagsüber kommt die Sonne vor allem zwischen Nordsee und Rhein-Main-Gebiet immer wieder zum Vorschein. Die Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen minus drei Grad am Alpenrand und in Sachsen sowie bis zu plus drei Grad am Rhein.
pat/AP/AFP/dpa/rts